09 September 2008

Die Gefähr(de)ten

Moin Hermann!

Heute also wieder ein Versuch, zur Hauptstadt zu fahren. Aber wir sind zuversichtlich, schließlich hat der UAZ ja quasi eine Generalüberholung des Motors bekommen.
Ventilspiel neu eingestellt, Zündung justiert, müsste also klappen.
Diesmal kommen wir wirklich früh los, viertel nach acht starten wir von der Rampe. Die Straße nach Ulan Bator ist... wie immer, eine Piste nur, mal fahren wir drauf, dann wieder daneben, wenn mal wieder ein Sandberg das Ende der Ausbaustrecke angekündigt hat.Ende der Ausbaustrecke
Dafür ist wenig los, und wir sind meistens die einzigen, die Staub machen.
Nach 100 Kilometern kommt Asphalt, und ab hier schnellt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 60 km/h. In Spitzenzeiten fahre ich 110, muss dann aber wieder wegen einer Schafherde oder Albinoyakdung auf der Straße runterbremsen. Nach Steigungen warte ich sowieso auf den UAZ, der heute auch nicht mit Vollast laufen muss. Hauptsache er läuft überhaupt.
Nach weiteren hundert Kilometern kommt eine Vorfahrt-achten-Kreuzung. Ich bleibe andächtig stehen und betrachte das Verkehrsschild. Es kommt mir entfernt bekannt vor, doch, sowas habe ich auch in Europa schon einmal gesehen.
Wir besuchen die örtliche Fernfahrerkneipe, vor der wieder einmal allerlei Gefährten und Gefährte Rast machen. Hier wird es einem wieder bewusst: Gefährt kommt von Gefahr.Das ehrbare Handwerk des Stoßstangenschusters wird hier noch lebendig gehalten Wohnmobil
Über die folgenden 100 Kilometer bis zur Hauptstad wollte ich lange nicht sprechen. Nein, es ist alles heile geblieben, nur die Piste (ohne Asphalt) war wieder schlimmer als je zuvor. 12 Fahrspuren, die durch das ewige Nicht-Entscheiden-können ständig ineinander übergehen und dadurch eher ein Zopfmuster in die Steppe gegraben haben, als dass es parallele Spuren wären.
Zopfmuster
Das Jeep-Team ist hier im Dunkeln langgefahren. Bei viel Verkehr und Gegenverkehr (Es gibt keine Übersetzung für "Rechtsfahrgebot"). Viel Staub, und viel Fernlicht.
Was bin ich froh, dass es heller Tag ist und nur ein paar Autos und ein Bus die gleiche Richtung haben.
Ein Linienbus dagegen staubt ordentlich, und ich riskiere eine durchschlagende Federung, um nicht hinter seiner Staubfahne hängen zu bleiben.
Dass es mit Beginn der Asphaltierung in der Hauptstadt nicht besser wird, sei nur am Rande erwähnt. Wir kommen in die Rush-Hour, und vor einem geschlossenen Bahnübergang kommt es zum Stau. Logisch. Dass dann aber alles und jeder und auch 32-Tonnen Autokrane sich rechts an der Kolonne vorbeidrücken, über den Bürgersteig und durch die Vorgärten, ist mehr als ich je sah. Die spinnen? Nein: sie fahren wie sie reiten. Gelernt ist gelernt.
Na, wer wollte sich beschweren, und nach einem kurzen telefonischen Check (nein, wir haben keinen Container nach Berlin) fahren wir Richtung Oasis Guesthouse. Zeit für eine Oase! Eine Tafel zeigt an, dass es Rehrücken mit Spätzle gibt, aber wir bestellen Kaiserschmarrn. Schön!
Guesthouse in Ulan BatorDie StadtBlick zurück, kein Zorn




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