08 September 2008

Ulan Bator/Oder?

Moin Hermann!

Packen! Die letzten 300 Kilometer bis zur Hauptstadt stehen auf dem Programm. Wir frühstücken zeitig, und während wir packen, lässt unser Fahrer schon mal den Kleinbus warmlaufen.
„Das hört sich nicht gut an!“, denke ich, als der Motor mit einem metallischen Klacken stehenbleibt.
„Das hört sich nicht gut an!“ meint auch der Kollege, und vermutet einen Motorschaden.
Der Fahrer kommt zu uns und macht Zeichen. Auto kaputt. Motor kaputt. Kolben kaputt. Och nee, nich sowas!

Wir holen das Handy und rufen unseren Kollegen in Ulan Bator an, er soll übersetzen. Wir reichen das Handy weiter, Gespräch auf mongolisch. Wir kriegen das Handy zurück, der Kollege erklärt es uns am Telefon nochmal auf mongolisch.
“Hallo, wir sinds!“, und nach kurzem Gelächter bestätigt er uns auf deutsch:
Der Kolben ist kaputt.
Ist aber kein Problem, der Fahrer hat einen Ersatzkolben dabei.

Uff. Jetzt wundert mich gar nichts mehr. Als Fahrer von so einem russischen Geländebus hat man einen Ersatzkolben dabei? Derb.

Kolben tauschen kann natürlich dauern. Wir machen es uns wieder gemütlich und erklären schon mal den Leuten vom Jurtencamp, dass wir wahrscheinlich noch eine Nacht länger bleiben.
Der Fahrer macht sich an die Arbeit. Fahrersitz ausbauen, das geht schnell, der ist sowieso nicht festgeschraubt. Motorabdeckung runter, und dann den Ventildeckel abnehmen.
Kühlwasser ablassen, natürlich unter dem Auto auffangen zur späteren Wiederverwendung. Zum Abnehmen des Zylinderkopfes ruft er mich kurz dazu, zu zweit geht es besser.
Dann der Moment der Wahrheit: im dritten Zylinder muss es hoch hergegangen sein. Der Kolben hat versucht, ein paar Stahlteile zu verdichten, was ihn aber das Leben gekostet hat. Tiefe Gruben im Kolben sowie im Zylinderkopf zeigen, wo die Brocken eingeschlagen sind. Ein paar Teile, groß wie Streichholzköpfe, lassen sich nur mit einer Zange aus dem Kolben herausprökeln.
Krater im Zylinderkopf

Einen Kolben hat er da, aber woher kommen diese Stahlteile? Er schüttelt den Vergaser, ob dort irgendwo Stahl angesaugt wurde. Negativ. Der Zylinderkopf zeigt auch keine Spuren von fehlenden Teilen.
Wir setzen uns zwischendurch immer mal wieder in die Sonne, lesen ein Buch oder diskutieren die wahrscheinlich nächsten Schritte. Wir erraten auch, dass die Ursache ein geborstener Ventilsitz ist - der Ring war nur noch zu sieben Achteln vorhanden, der Rest hatte sich in Streichholzkopfgroße Teilchen umgeformt.
sieben Achtel vom Ventilsitz - und ein plangeschliffener Zylinderkopf
Während wir Fachleute noch rätseln, wie der Fahrer einen, falls überhaupt vorhandenen, Dichtring ordentlich einpressen will, wird auf dem Parkplatz schon wieder das Ventil eingebaut. Alles geht!
Danach kommt noch die Ölwanne, Ölpumpe, einige Aggregate ab, so dass man den Kolben ausbauen kann.
Durchblick
Zwei Stunden oder so später, wir sind mit Badesachen runter zum See gegangen, um ein paar Pferde, Rinder und Ziegen an der Wasserstelle zu beobachten, braust der komplettierte Bus schon an uns vorbei zur Probefahrt. Ventilspiel ist auch schon eingestellt!
Morgen können wir also trotz einiger banger Momente in Richtung Hauptstadt aufbrechen. Horrido!



Kommentare

Henning schrieb:

Hallo,
war bei dem Motor wohl nicht das erste Mal, das so etwas passiert, der Brennraum des nächsten Zylinders hat auch schon "Hammerschläge"

Gruß von H. aus B.

09 September 2008 um 01:02
Nelson schrieb:

der tut auch nicht sauber verbrennen, nene..., oder ist das die verschleißreduzierende Kohlenstoffnebelinnendichtung?
N

11 September 2008 um 08:58
steppenkaln schrieb:

Kohlenstoffnebelinnendichtung, schönes Wort. Nee, ich denke mal da ist auch ein bisschen Kamelkacke mit dabei, und wie wir bei den Kanistern schon gelernt haben: Dichtung ist relativ.
Dafür kann man am Feuerball im Auspuff erkennen: es ist noch genug unverbranntes Benzin da, um mehr als 20 Liter zu verbrauchen, und der Fahrer musste vom Gas gehen. Motorradfahrer: Achtung! Bodenwelle!

11 September 2008 um 11:48

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