06 September 2008

Koffer kaputt

Moin Hermann!

Mit dem Zelte abbauen werden wir immer schneller, und wenn die Sache mit der Batterie nicht gewesen wäre, hätten wir den Rekord gebrochen. So aber hat der Jeep es nicht verkraftet, mal eine halbe Stunde meinen Kameraakku aufzuladen, ohne selber den Geist aufzugeben. Zum Glück haben wir ein Starthilfekabel dabei - nur für den Gebrauch bei Motorrädern bestimmt. Der Sechszylinder springt mit dem Saft aus dem Kleinbus sofort an, und es kann losgehen.
Zwischendurch laufe ich noch dreimal auf die Toilette, weil ich mir dann doch irgendetwas eingefangen hatte. Unangenehm, aber was soll man machen.

Die erste Steigung in Richtung Vulkan wird mir zum Verhängnis. Da der Hauptweg durch den UAZ mit Geländeuntersetzung versperrt ist, nehme ich eine Fahrspur ganz rechts, übersehe aber, dass dies die Falllinie für die Wassermassen von vor ein paar Tagen ist. Der Sand ist weich und hat tiefe Furchen. Das Hinterrad gräbt sich in Sekundenschnelle ein, und die BMW setzt auf der Motorschutzplatte auf. Mist. Alles Gasgeben und Wippen bringt nichts, ich muss die Maschine erst hinlegen, das Loch wieder zuschaufeln und das Gefährt quer zum Hang legen. Dann den überlaufenden Vergaser wieder trockenlegen durch geduldiges Orgeln mit dem Anlasser, bevor es weitergehen kann. Diesmal etwas vorsichtiger, und wir haben ja auch schon 3 Kilometer geschafft. Ich bin schon mal durchgeschwitzt.

Sieben Kilometer weiter treffen wir wieder auf den Nomadentreck mit seinen 80 Pferden, sie liegen also im Plan.

Es geht weiter durch die Landschaft, hier gibt es einigermaßen feste Pisten, aber es schüttelt die BMW ziemlich durch. Ein Glück, dass ich mein Gepäck im Kleinbus habe, denke ich, und, wieso hält jetzt der Jeep an? Vor ihm liegt etwas auf der Straße, sieht aus wie mein, nein, das ist mein Koffer! Was macht der hier auf der Piste!Koffer kaputt?
Der UAZ wird doch wohl nicht unnötig Gepäckstücke in der Landschaft verteilen? Nachdem wir herzlich gelacht haben, schwinge ich mich auf das Mopped und düse los, um sie einzuholen. 2 Kilometer weiter stehen sie auch schon um den Bus herum und wundern sich. Irgendwas ist anders!
Die Hecktüren sind zu, wahrscheinlich ist eine Tür an einer Bodenwelle kurz aufgesprungen, Koffer raus, Tür wieder zu.
Wir lernen also, dass man die Türen besser abschließen sollte, schließlich hat der Bus schon ein paar Kilometer Wellblechpiste auf dem Buckel.

Wir fahren weiter, und kurz darauf kommt uns ein Fahrzeug entgegen, das mir bekannt vorkommt. Ein Mercedes Rundhauber, ein LF 16, also ein Feuerwehr Löschgruppenfahrzeug! Ich wechsle die Fahrspur, um ein ordentliches Foto zu machen. Mercedes LF 16Der Doppelkabiner ist mit 9 Leuten voll besetzt, aber sie haben riesig viel Platz in ihrem Gefährt. Das ist auch eine angemessene Art, die Mongolei zu bereisen!

Wir kaufen noch einmal in Tsetserleg ein, tanken und suchen noch schnell ein Restaurant für das Abendessen. Da sich diese Sucherei wegen verschiedener Widrigkeiten eine Stunde hinzieht und wir dann doch nichts finden, ziehen wir weiter. Wir wollen eigentlich noch bis zum Oegii See, aber da es schon dunkel wird, schlagen wir noch einmal unsere Zelte auf. In einem licht bestandenen Wald finden wir Platz zum zelten und machen uns noch eine Tütensuppe warm.


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