05 September 2008

Mittelaltermarkt

Moin Hermann!

Nach und nach krabbeln wir aus den Zelten und gehen erstmal zum Frühstück. Es gibt leckere mongolische Pfannkuchen, und wir können uns Zeit lassen.
Gestern Abend haben wir mit dem Fernglas eine gute Wanderroute gefunden, die wir heute ablaufen wollen.
Stattdessen geht aber erst mal direkt vor unseren Zelten der Punk ab: eine große Nomadenfamilie zieht um. Eigentlich vier Familien, mit Sack und Pack: 80 Pferde, mehr als 80 Schafe und 100 Ziegen ziehen übers Land. Dazu noch ein paar Dutzend Yaks und Rinder, alle mitsamt Jungtieren. Ein lautes Geblöke, Getrappel und Gewiehere. Ein Pferd für Hauke Haien!

Dazu ein kleiner LKW und sieben Ochsenkarren. Der reinste Mittelaltermarkt! Die Ochsenkarren sind diesmal nicht aus alten LKW-Achsen zusammengebaut sondern haben richtige Holzräder.So ein Ochse.
Reiter mit den traditionellen Urgas (eine Art Lasso an einem Stab) halten die Herden zusammen.

Nebenbei fangen sie zwei Pferde aus der Herde, was einen ziemlichen Staub aufwirbelt. Beeindruckend, wie die Pferde die Gefahr spüren und sich gegenseitig in einer fließenden Masse von Leibern verstecken!
Der Treck ist schon seit 10 Tagen unterwegs und hat schon 300 Kilometer geschafft. Die Ochsen bestimmen das Tempo, und 300 Kilometer weiter müssen sie noch. Unterwegs nutzen sie das frische Weideland und verkaufen wenn möglich Pferde, Ziegen und Schafe.

Geld haben sie offensichtlich genug, denn sie wollen mir das Motorrad abkaufen - aber das ist ja schließlich mein Kalb, das kann ich doch nicht hierlassen!

Als sich der Wirbel legt, starten wir unsere Wanderung und lassen uns auf der anderen Seite des Sees absetzen. Umzug ohne Ochsen, ohne HerdeDas heißt allerdings auch auf der anderen Seite des Flusses - wir müssen an einer flachen Stelle hindurchwaten, um rüberzukommen.
Dort gelangen wir auf eine menschenleere Halbinsel und wandern durch die Botanik. Erkaltete Lava vom nahen Vulkan bildet bizarre Muster, und wir entdecken immer neue Blumen und Tiere. Fauna
Mit einem Biologen im Team wären wir hier keine zwei Meter weit gekommen.
Am See entlang tasten wir uns durch die Gegend, und ab und zu fliegt ein Schwarm Kormorane auf. Schön!

Vor dem Abendessen sind wir zurück, aber inzwischen ist uns auch warm genug, um ein erfrischendes Bad zu nehmen. Dabei ist das Wasser soo kalt!
Abends gibt es mal wieder ein kühles Getränk mit Hopfen und einen versöhnenden Ausblick auf den See. Ich bin zwar auf niemanden sauer, aber das hier könnte mich mit Allem versöhnen. Ich denke, ich behalte das Bild mal im Hinterkopf…


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