04 September 2008

Männchen machen

Moin Hermann!

Draußen ist es trocken, und die Sonne scheint. Die Fernfahrerkneipe ist auch bei Lichte betrachtet nicht idyllisch genug, um uns länger in ihren Bann zu ziehen, und nach einem schnellen Frühstück brechen wir auf.
Die Stiefel sind noch nass, und heute müssen dann mal die Trekkingschuhe ausreichen.

Schon 3 Kilometer weiter ist es schon netter, an dieser Stelle hat sich einmal bei einem Erdbeben einfach die Erde aufgetan. Ob sie jemanden verschlungen hat, wurde uns nicht überliefert, aber übriggeblieben ist ein toller Canyon, der einfach nur senkrecht abfällt, unten einen Fluss hat und dann wieder zum normalen Niveau emporspringt. Hölle!Canyon

Nochmal 4 Kilometer gibt es wieder was zu sehen: der Baum mit den tausend Ästen, bei dem es Glück bringt, wenn man einen Seidenschal und Naschereien dortlässt. Letzteres bringt auf jeden Fall den dort prächtig im Futter stehenden Erdmännchen Glück, denn sie leben dort wie im Schlaraffenland, wenn sie sich nur ab und zu für Fotoshootings aus dem Wurzelwerk herausbemühen. Ein Leben wie Gisele Bündchen.

Danach kommt eine lange Etappe von 40 Kilometern, die recht flockig an uns vorbeifliegt. Vor der Stadt biegen wir rechts ab und müssen an einer Schranke für die Einfahrt in das Naturschutzgebiet zahlen. Hoffentlich wird das Geld für die Reparatur der Brücke verwendet, die dahinterliegt - aber man kann noch drüberfahren. Danach wird es steinig, und zwei Mountainbikefahrende Touristen, die uns entgegen kommen, sehen nicht sehr glücklich aus. Es wird anspruchsvoller, Kleinbus und Jeep müssen ihre Geländeuntersetzung einschalten. Wie dann aber die am Parkplatz stehenden Hyundai Limousinen hier hochgekommen sind, ist mir schleierhaft. Materialmordend!

Wir stellen die Fahrzeuge ab, ich schlüpfe in etwas Bequemes und wir wandern den Vulkan hoch.Teile des Vulkans sind nach dem Ausbrechen nicht wiedergekommen Spannend hier, lauter schwammartige Steine liegen herum. Wann der wohl ausgebrochen ist?
Von oben hat man einen prima Blick auf den Krater und die sich außen verteilende Lavalandschaft. Dahinter: der Weiße See, unsere Heimat für die nächsten Tage. Sieht nett aus hier!Das Navi hat Recht: wir sind kurz vor dem See

Bald darauf stehen wir auch schon an der ersten Kreuzung und schauen, ob wir links oder rechts zum Touricamp abbiegen sollen. Ein freundlicher Reiter gibt uns Tipps, aber wir merken bald, dass seine Aufgabe darin besteht, immer dann zufällig vorbeizukommen, wenn Touristen zu sehen sind, die nicht zielstrebig auf eines der Camps zusteuern.
Wir fahren ein paar Camps weiter und finden eines, das mit gut ausgebauten sanitären Anlagen und einem Erdmännchen lockt. Ich schleiche mich nach Indianermanier in voller Montur an so einen Erdmännchenbau heran und verballere 40 Bilder. Die sind voll süß!Mach Männchen!

Hier können wir unsere Zelte aufbauen, Stiefel in die Sonne stellen und nach dem Abendessen für heute Abend angeln.
Und duschen!
Dabei allerdings muss man ein bisschen aufpassen und die Augen offenhalten. Von 2 Glühbirnen leuchtet nur die eine, die andere ist kaputt - aber gleich komplett ohne Glaskolben. Die Anschlüsse für den Glühdraht sind noch da, und jemand hat aus Sicherheitsgründen die Scherben weggefegt. Es könnte sich ja jemand schneiden!
Dass man einen in 2 Meter Höhe hängenden 220-Volt Anschluss, im Duschwasser stehend, nicht überlebt, ist hier noch nicht so angekommen. Vielleicht hat man ja auch Glück, und der Generator geht in die Knie, wenn es zum Kurzschluss kommt. Man muss ja auch beim Duschen nicht so mit den Armen fuchteln. Deutsche im Ausland sollen sich nicht immer so anstellen!
Genug für heute, ich freue mich, dass ich lebe und schlafe den Schlaf der Gerechten.


Kommentare

Noch keine Kommentare

Neuer Kommentar

Dieser Artikel ist geschlossen. Keine Kommentare mehr möglich.