27 August 2008

Verschiedene Leckerbissen

Moin Hermann!

Heute erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Strecke, und es liegen etliche Kilometer vor uns. Unser UAZ-Fahrer hat eine Abkürzung über einen Gebirgspass vorgeschlagen, aber er ist sich nicht sicher, ob der Isuzu Jeep an der schmalsten Stelle hindurch passt. Sein Bus passt so gerade.
Was soll denn das für eine Straße sein? Hört sich interessant an. Wir vermessen grob die beiden Fahrzeuge, und wenn der UAZ durchpasst, dann geht es auch mit dem Jeep.
Zuerst aber fahren wir nochmal in die Geierschlucht hinein, wo ich an einer Kreuzung warte. Die Wanderung zum Ende der Schlucht erspare ich mir, ich werde noch genug Sport auf der BMW haben. Immerhin verpasse ich den letzten Rest eines Gletschers, der an einer windigen Stelle so dahinschmilzt. Ohne den kalten Wind wäre das Eis schon im Mai geschmolzen, wieder mal ein Phänomen, das die Mongolei für uns bereithält.

Während des Wartens, ich bereite mich mental auf die Strapazen des Tages vor, kommt ein Mongole mit einem vollbepackten Moped die Passstraße heruntergeknattert. Ich weiß nicht, ob er Kartoffeln oder Kräuter transportiert, aber so schwierig kann die Strecke nicht sein, wenn er mit der Fuhre da langfährt.Tieflader

Die anderen kommen vom Gletscher, und es ist nochmal Zeit für Tütensuppen. Andere Leute nehmen sich da mehr Zeit. Ein LKW fährt an uns vorbei, auf der Ladefläche eine winkende Großfamilie, eine Milchkanne und eine Ziege. Die Ziege freut sich, dass sie auf diesen Ausflug mitdarf, und die Familie freut sich, dass es heute eine besondere Leckerei gibt: Ziege in der Kanne. Dazu wird ein Feuer angezündet, Steine heiß gemacht, die Ziege geschlachtet und abwechselnd eine Lage heiße Steine und eine Lage Ziege in der Kanne aufgeschichtet.
Slow food auf mongolisch.Landpartie mit Ziege

Wir dagegen machen uns auf den Weg, der zuerst mal steil nach oben führt. An einer tückischen Kuppe springt mir der erste Gang raus, und erst nach etwas straucheln, zappeln und fluchen bleibt die BMW auf dem Weg stehen. Grad wenn man mal Drehmoment braucht!
Weiter geht’s, und ich kann vorausfahren, weil es wie auf jeder guten Passstraße keine Kreuzungen gibt. Dafür kreuzt im oberen Teil ein Bach den Weg, von links nach rechts. Dann von rechts nach links, hin, her, her, hin, irgendwann sind Bachbett und Pfad eins geworden. Schön zu fahren, ein echter Leckerbissen für den Enduristen, solange der Bach nicht zum Fluss wird.
Oben angekommen plätschert der Bach durch einen 2,50 Meter breiten Durchlass, sehr spektakuläre Durchfahrt! Fotopause!Durch diese hohle GasseKleinbus an der Engstelle

Nach unzähligen Fotos (nebenan wird noch eine Ziegenherde getränkt) geht es weiter.
Eine Stunde später sind wir am südlichsten Punkt der Reise, in Bayandalay. Am Stadtrand Wasserträgergibt es einen Brunnen mit einer Handpumpe, an dem wir uns mit frischem Wasser versorgen.
Ab hier haben wir die blauen Berge immer auf der rechten Seite und fahren durch spärlich begrünte Steppe in Richtung West-Nordwest.
Ab und zu gibt es kleine Gruppen von Steppenkälbern, die ich aber nicht dazu bringe ein Gruppenfoto mit der BMW zu machen.Guckt nicht so blöd in die Kamera!Steppe und blaue Berge

Die Schatten werden länger, und der Wind legt sich. Der Staub steht, wieder einmal. Als es dunkel wird und die Wege unübersichtlich werden, muss ich außerdem wieder dem Bus hinterherfahren, der jetzt seine Geländequalitäten auslebt. Durch den kleineren Federweg muss der Jeep öfter abbremsen, um eine Bodenwelle ohne gebrochene Federn oder Schultern zu überstehen. Rüdes Terrain hier!

Es wird dunkel, und ich bin froh, als ich am Horizont Licht sehe. Doch das ist nur eine Gruppe von Kleinbussen, die koreanische Touristen durch die Steppe kutschieren. Also weiter. Am Touristencamp angekommen entspanne ich mich und bin froh, da zu sein - aber das Camp ist reserviert für eine Gruppe von Koreanern, die 3 Minuten später auch in einer riesigen Staubwolke ankommen.

Also heißt es nochmals aufsatteln und die Entspannung für später reservieren. Will da sein!
Sieben weitere Kilometer spulen sich im Lichtkegel der BMW ab, und wir sind jetzt wirklich da. Hier stehen schon freundliche Zimmermädchen bereit, unsere Taschen und Rucksäcke auf Karren zu laden und zu den Jurten zu fahren. Das ist mal ein guter Service!
Es gibt Duschen, und es gibt Strom, und mehr wollen wir ja gar nicht! Und doch, es gibt sogar noch ein kühles Getränk. Gute Nacht.


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