Archives

Sie betrachten das Archiv für September 2008

14 September 2008

Favoriten

Moin Hermann!

Nochmal zum Nachlesen:
Wie alles begann
Holzkiste für den Motorradversand
Beginn der Reise
Highlight: Schotterpass mit Schikanen
Galerie



So langsam kehrt in meiner inneren Uhr wieder Europa ein, und ich wache nicht mehr nachts um zwei auf, um mein Motorrad zu satteln.
Mein Motorrad, das ist noch die Sache, die aufzulösen wäre. Wie kommt das Kälbchen wieder zu mir?
Funduro
Wie’s aussieht, gar nicht, es hat sich ein Käufer gefunden, und schweren Herzens gebe ich diese schöne BMW aus der Hand. Es hat der Funduro in der Mongolei so gut gefallen, dass sie gar nicht wieder weg möchte. Ok, sie darf bleiben!

Ohne das Team, das Team wäre die Reise nicht möglich gewesen, danke Euch!

Die Einträge unter Zieleingabe / Favoriten werden gespeichert bleiben, bei meinem Navi und bei mir.FavoritenSo is' recht!

Mal sehen, was es dann für ein Motorrad gibt…

Hermann, ich sag dann Bescheid!

Neue HorizonteAbendstimmung

11 September 2008

Ende Gelände

Moin Hermann!

Kurz nach dem Einschlafen klingelt der Wecker. Wieso? Es ist Viertel nach fünf. Ach ja, da war was. Das Taxi kommt um sechs. Mein Gepäck ist ein Berg von Material, weil es keine Motorradkiste mit Zulademöglichkeit gibt. Zelt, Schlafsack, steingewordene Geschenke zerren an den Gurten.
Wir teilen uns die zwei Taxis mit einem Biker, der gerade eine richtige Motorrad-Rallye hinter sich gebracht hat. Mit Roadbook und einem 100 km/h - Schnitt war er tagelang unterwegs in diesem Land, aber wer wohl mehr gesehen hat? Jeder wie er mag.

Die Zeit kriecht, aber letzten Endes ist es ein alltäglicher Flug von Ulan Bator nach Berlin. Wir starten pünktlich, haben diesmal aber eine Zwischenlandung in Moskau. Das ist etwas nervig, weil wir aussteigen müssen, nur um gleich wieder durchsucht zu werden.
Nein, bin ich nichtJa, bin ichWas wird das - ein Quiz?Da samma!Über den Wolken
Weiter gehts, zwischendurch gut unterhalten durch Roland Emmerichs 10000 B.C. - großes Kino!

In Berlin haben wir genug Aufenthalt, um, durch spontane Verwandtschaft ergänzt, einen Bummel durch Berlin zu machen. Was für ein Unterschied zwischen den Hauptstädten!
Das richtige Motorrad für...
Abends noch der Transfer bis Stuttgart, Freunde holen uns ab, und spätestens am Parkhaus merken wir, dass wir wieder zu Hause sind. Oder? Ein Zweifel wird bleiben.


Morgen schreib ich Dir nicht! Aber Sonntag...

10 September 2008

Was ihr wollt

Moin Hermann!

Frühstück! Zum Glück ruft keiner zum Aufbruch, und im Wesentlichen ist es ein ruhiger Tag. Oder? Nach verschiedenen gegensätzlichen Informationen zum Thema Motorradrücktransport wird die Entscheidung verschoben. Ein Sammelcontainer ist nicht in Sicht, Luftfracht vermutlich zu teuer, und Zeitnot führt nur zu unnötigen Kosten. Locker bleiben!
Zum Glück darf ich das Steppenkalb eine Weile beim Wirt unterstellen - vielen Dank! Vielleicht drängt sich ja ein hartnäckiger Käufer auf. Einer war schon auf dem Hof…

Wir machen uns dafür noch einmal auf den Weg in die Stadt. Zuerst fällt aber beim Jeep die Drehzahl ab. Was geht? Nix geht, Motor aus. Die Batterie schafft gerade mal noch einen Neustart, und die Fensterheber laufen nur bei hoher Motordrehzahl. Unsere Diagnose: Unterspannung.
Wir steuern eine Werkstatt an, die mit zertifiziertem Personal wirbt und schildern das Problem. Ein Monteur holt ein digitales Multimeter, stellt es auf “Ohm” und misst bei laufendem Motor an der Batterie herum. Dann schaltet er auf “Wechselspannung”. Diagnose: Lichtmaschine austauschen.
Gleich riecht er
Na wozu habe ich E-Technik studiert, das hier kann ich jedenfalls nicht gut mit ansehen, schnappe mir das Teil und finde heraus, dass man sehr wohl auch eine Gleichspannung messen kann. 9 Volt - also macht Watt Ihr Volt, aber ich würd mal die Batterie tauschen.
Mit der Neuen klappt es dann auch, und ich erwarte keine Klagen, dass die in drei Tagen den Geist aufgibt.

Als Nächstes besuchen wir noch einmal den Basar - ich verkneife mir den Kauf einer hübschen Kommode. Man kann wählen zwischen Orange und Orange. Mongolische Möbel Teil IDekorationMarkenwahre
Weiter geht’s in die City, etwas bummeln, etwas schlendern, dann zum Fast-Food. Gar nicht schlecht, was sie hier anrichten.
Das Getränk bitte ohne Eis

Weiter zum Museum, wir wollen doch noch den Dinosaurier sehen! Die allerdings beeindrucken dann wirklich, das größte Skelett füllt eine riesige Halle und macht Eindruck. Zwei weitere Dinos sind beim Kampf um Leben und Tod beide umgekommen und nach Pompeji-Manier in der Vulkanasche konserviert worden.
Leben eben!
Auch ein Relikt - vielleicht Kriegsbeute?
Dann haben wir noch einen Theaterbesuch auf der Liste. Wir kommen fast zu spät, weil uns ein Polizist kurz vorher aufhält: Platz für das Auto des Präsidenten! Der Staatschef besucht die selbe Theateraufführung wie wir, und wir erleben einen bunten Abend mit Tanz, Folklore und traditioneller Musik.
Farbenfrohe FolkloreCombo mit mongolischer Pferdekopfgeige

Was die aber auch alles auf dem Kasten haben! Wirklich beeindruckend sind die Obertongesänge, die sich anhören wie nicht von dieser Welt. Ein einzelner Sänger mit einer Gitarre füllt den Saal mit allen Tönen, die ein menschliches Ohr überhaupt hören kann. Und mehr!

Mongolische Möbel Teil II

Abends im Guesthouse dann das Unvermeidliche: kofferpacken! Das Taxi kommt um 6 Uhr, und bis dahin können wir dann noch fünf Stunden schlafen.
Aber bestimmt kann ich im Flieger noch etwas schlafen.

09 September 2008

Die Gefähr(de)ten

Moin Hermann!

Heute also wieder ein Versuch, zur Hauptstadt zu fahren. Aber wir sind zuversichtlich, schließlich hat der UAZ ja quasi eine Generalüberholung des Motors bekommen.
Ventilspiel neu eingestellt, Zündung justiert, müsste also klappen.
Diesmal kommen wir wirklich früh los, viertel nach acht starten wir von der Rampe. Die Straße nach Ulan Bator ist... wie immer, eine Piste nur, mal fahren wir drauf, dann wieder daneben, wenn mal wieder ein Sandberg das Ende der Ausbaustrecke angekündigt hat.Ende der Ausbaustrecke
Dafür ist wenig los, und wir sind meistens die einzigen, die Staub machen.
Nach 100 Kilometern kommt Asphalt, und ab hier schnellt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 60 km/h. In Spitzenzeiten fahre ich 110, muss dann aber wieder wegen einer Schafherde oder Albinoyakdung auf der Straße runterbremsen. Nach Steigungen warte ich sowieso auf den UAZ, der heute auch nicht mit Vollast laufen muss. Hauptsache er läuft überhaupt.
Nach weiteren hundert Kilometern kommt eine Vorfahrt-achten-Kreuzung. Ich bleibe andächtig stehen und betrachte das Verkehrsschild. Es kommt mir entfernt bekannt vor, doch, sowas habe ich auch in Europa schon einmal gesehen.
Wir besuchen die örtliche Fernfahrerkneipe, vor der wieder einmal allerlei Gefährten und Gefährte Rast machen. Hier wird es einem wieder bewusst: Gefährt kommt von Gefahr.Das ehrbare Handwerk des Stoßstangenschusters wird hier noch lebendig gehalten Wohnmobil
Über die folgenden 100 Kilometer bis zur Hauptstad wollte ich lange nicht sprechen. Nein, es ist alles heile geblieben, nur die Piste (ohne Asphalt) war wieder schlimmer als je zuvor. 12 Fahrspuren, die durch das ewige Nicht-Entscheiden-können ständig ineinander übergehen und dadurch eher ein Zopfmuster in die Steppe gegraben haben, als dass es parallele Spuren wären.
Zopfmuster
Das Jeep-Team ist hier im Dunkeln langgefahren. Bei viel Verkehr und Gegenverkehr (Es gibt keine Übersetzung für "Rechtsfahrgebot"). Viel Staub, und viel Fernlicht.
Was bin ich froh, dass es heller Tag ist und nur ein paar Autos und ein Bus die gleiche Richtung haben.
Ein Linienbus dagegen staubt ordentlich, und ich riskiere eine durchschlagende Federung, um nicht hinter seiner Staubfahne hängen zu bleiben.
Dass es mit Beginn der Asphaltierung in der Hauptstadt nicht besser wird, sei nur am Rande erwähnt. Wir kommen in die Rush-Hour, und vor einem geschlossenen Bahnübergang kommt es zum Stau. Logisch. Dass dann aber alles und jeder und auch 32-Tonnen Autokrane sich rechts an der Kolonne vorbeidrücken, über den Bürgersteig und durch die Vorgärten, ist mehr als ich je sah. Die spinnen? Nein: sie fahren wie sie reiten. Gelernt ist gelernt.
Na, wer wollte sich beschweren, und nach einem kurzen telefonischen Check (nein, wir haben keinen Container nach Berlin) fahren wir Richtung Oasis Guesthouse. Zeit für eine Oase! Eine Tafel zeigt an, dass es Rehrücken mit Spätzle gibt, aber wir bestellen Kaiserschmarrn. Schön!
Guesthouse in Ulan BatorDie StadtBlick zurück, kein Zorn


08 September 2008

Ulan Bator/Oder?

Moin Hermann!

Packen! Die letzten 300 Kilometer bis zur Hauptstadt stehen auf dem Programm. Wir frühstücken zeitig, und während wir packen, lässt unser Fahrer schon mal den Kleinbus warmlaufen.
„Das hört sich nicht gut an!“, denke ich, als der Motor mit einem metallischen Klacken stehenbleibt.
„Das hört sich nicht gut an!“ meint auch der Kollege, und vermutet einen Motorschaden.
Der Fahrer kommt zu uns und macht Zeichen. Auto kaputt. Motor kaputt. Kolben kaputt. Och nee, nich sowas!

Wir holen das Handy und rufen unseren Kollegen in Ulan Bator an, er soll übersetzen. Wir reichen das Handy weiter, Gespräch auf mongolisch. Wir kriegen das Handy zurück, der Kollege erklärt es uns am Telefon nochmal auf mongolisch.
“Hallo, wir sinds!“, und nach kurzem Gelächter bestätigt er uns auf deutsch:
Der Kolben ist kaputt.
Ist aber kein Problem, der Fahrer hat einen Ersatzkolben dabei.

Uff. Jetzt wundert mich gar nichts mehr. Als Fahrer von so einem russischen Geländebus hat man einen Ersatzkolben dabei? Derb.

Kolben tauschen kann natürlich dauern. Wir machen es uns wieder gemütlich und erklären schon mal den Leuten vom Jurtencamp, dass wir wahrscheinlich noch eine Nacht länger bleiben.
Der Fahrer macht sich an die Arbeit. Fahrersitz ausbauen, das geht schnell, der ist sowieso nicht festgeschraubt. Motorabdeckung runter, und dann den Ventildeckel abnehmen.
Kühlwasser ablassen, natürlich unter dem Auto auffangen zur späteren Wiederverwendung. Zum Abnehmen des Zylinderkopfes ruft er mich kurz dazu, zu zweit geht es besser.
Dann der Moment der Wahrheit: im dritten Zylinder muss es hoch hergegangen sein. Der Kolben hat versucht, ein paar Stahlteile zu verdichten, was ihn aber das Leben gekostet hat. Tiefe Gruben im Kolben sowie im Zylinderkopf zeigen, wo die Brocken eingeschlagen sind. Ein paar Teile, groß wie Streichholzköpfe, lassen sich nur mit einer Zange aus dem Kolben herausprökeln.
Krater im Zylinderkopf

Einen Kolben hat er da, aber woher kommen diese Stahlteile? Er schüttelt den Vergaser, ob dort irgendwo Stahl angesaugt wurde. Negativ. Der Zylinderkopf zeigt auch keine Spuren von fehlenden Teilen.
Wir setzen uns zwischendurch immer mal wieder in die Sonne, lesen ein Buch oder diskutieren die wahrscheinlich nächsten Schritte. Wir erraten auch, dass die Ursache ein geborstener Ventilsitz ist - der Ring war nur noch zu sieben Achteln vorhanden, der Rest hatte sich in Streichholzkopfgroße Teilchen umgeformt.
sieben Achtel vom Ventilsitz - und ein plangeschliffener Zylinderkopf
Während wir Fachleute noch rätseln, wie der Fahrer einen, falls überhaupt vorhandenen, Dichtring ordentlich einpressen will, wird auf dem Parkplatz schon wieder das Ventil eingebaut. Alles geht!
Danach kommt noch die Ölwanne, Ölpumpe, einige Aggregate ab, so dass man den Kolben ausbauen kann.
Durchblick
Zwei Stunden oder so später, wir sind mit Badesachen runter zum See gegangen, um ein paar Pferde, Rinder und Ziegen an der Wasserstelle zu beobachten, braust der komplettierte Bus schon an uns vorbei zur Probefahrt. Ventilspiel ist auch schon eingestellt!
Morgen können wir also trotz einiger banger Momente in Richtung Hauptstadt aufbrechen. Horrido!

07 September 2008

Meer

Moin Hermann!

Heute ist Sonntag, und wir haben nicht viel Strecke vor uns. Wir fahren nach dem Zusammenpacken der Zelte weiter Richtung Osten und kommen schon vor dem Mittagessen an. Es gibt ein Jurtencamp am See, und wir haben einen freien Tag!
Zu essen gibt es aber noch nichts, weil die angekündigte Touristengruppe erst später kommt. Vorher bleibt die Küche kalt.
Wir telefonieren noch ein bisschen, um das Verschicken des Motorrads zu organisieren. In Deutschland hieß es, das regelt man am Besten vor Ort. Hier allerdings heißt es, ein Sammelcontainer wird in diesem Jahr nicht mehr voll!
Ich hab ja gewusst, dass sie nicht viel exportieren, aber womöglich bis Ostern auf das Motorrad warten?

Das Jeep-Team entscheidet sich, die Verwandtschaft in Ulan Bator heute noch zu besuchen, es sind ja nur noch 300 Kilometer. Auch wenn sich das Essen nochmal verzögert, weil wir zum Schwimmen an den Badesteg runtergehen, reicht es noch, und gegen drei Uhr macht sich der Jeep auf die Socken.

Als wir nochmal zu unserem Badesee runtergehen, merken wir, dass wir nicht alleine sind. Pferde, Rinder und Schafe stehen im Wasser und trinken, aber nicht nur. Tiere im BadVielleicht sollten wir doch vorsichtiger sein und hier kein Wasser schlucken.
Dafür bekommen wir abends koreanisches Bier, und es gibt einen prächtigen Sonnuntergang.

Was braucht man Meer?Wenn es am Tag nur 2 Stunden Strom gibt, ist es auch egal, ob das Bier im Kühlschrank steht.

Morgen geht es wieder zurück in die Hauptstadt.

06 September 2008

Koffer kaputt

Moin Hermann!

Mit dem Zelte abbauen werden wir immer schneller, und wenn die Sache mit der Batterie nicht gewesen wäre, hätten wir den Rekord gebrochen. So aber hat der Jeep es nicht verkraftet, mal eine halbe Stunde meinen Kameraakku aufzuladen, ohne selber den Geist aufzugeben. Zum Glück haben wir ein Starthilfekabel dabei - nur für den Gebrauch bei Motorrädern bestimmt. Der Sechszylinder springt mit dem Saft aus dem Kleinbus sofort an, und es kann losgehen.
Zwischendurch laufe ich noch dreimal auf die Toilette, weil ich mir dann doch irgendetwas eingefangen hatte. Unangenehm, aber was soll man machen.

Die erste Steigung in Richtung Vulkan wird mir zum Verhängnis. Da der Hauptweg durch den UAZ mit Geländeuntersetzung versperrt ist, nehme ich eine Fahrspur ganz rechts, übersehe aber, dass dies die Falllinie für die Wassermassen von vor ein paar Tagen ist. Der Sand ist weich und hat tiefe Furchen. Das Hinterrad gräbt sich in Sekundenschnelle ein, und die BMW setzt auf der Motorschutzplatte auf. Mist. Alles Gasgeben und Wippen bringt nichts, ich muss die Maschine erst hinlegen, das Loch wieder zuschaufeln und das Gefährt quer zum Hang legen. Dann den überlaufenden Vergaser wieder trockenlegen durch geduldiges Orgeln mit dem Anlasser, bevor es weitergehen kann. Diesmal etwas vorsichtiger, und wir haben ja auch schon 3 Kilometer geschafft. Ich bin schon mal durchgeschwitzt.

Sieben Kilometer weiter treffen wir wieder auf den Nomadentreck mit seinen 80 Pferden, sie liegen also im Plan.

Es geht weiter durch die Landschaft, hier gibt es einigermaßen feste Pisten, aber es schüttelt die BMW ziemlich durch. Ein Glück, dass ich mein Gepäck im Kleinbus habe, denke ich, und, wieso hält jetzt der Jeep an? Vor ihm liegt etwas auf der Straße, sieht aus wie mein, nein, das ist mein Koffer! Was macht der hier auf der Piste!Koffer kaputt?
Der UAZ wird doch wohl nicht unnötig Gepäckstücke in der Landschaft verteilen? Nachdem wir herzlich gelacht haben, schwinge ich mich auf das Mopped und düse los, um sie einzuholen. 2 Kilometer weiter stehen sie auch schon um den Bus herum und wundern sich. Irgendwas ist anders!
Die Hecktüren sind zu, wahrscheinlich ist eine Tür an einer Bodenwelle kurz aufgesprungen, Koffer raus, Tür wieder zu.
Wir lernen also, dass man die Türen besser abschließen sollte, schließlich hat der Bus schon ein paar Kilometer Wellblechpiste auf dem Buckel.

Wir fahren weiter, und kurz darauf kommt uns ein Fahrzeug entgegen, das mir bekannt vorkommt. Ein Mercedes Rundhauber, ein LF 16, also ein Feuerwehr Löschgruppenfahrzeug! Ich wechsle die Fahrspur, um ein ordentliches Foto zu machen. Mercedes LF 16Der Doppelkabiner ist mit 9 Leuten voll besetzt, aber sie haben riesig viel Platz in ihrem Gefährt. Das ist auch eine angemessene Art, die Mongolei zu bereisen!

Wir kaufen noch einmal in Tsetserleg ein, tanken und suchen noch schnell ein Restaurant für das Abendessen. Da sich diese Sucherei wegen verschiedener Widrigkeiten eine Stunde hinzieht und wir dann doch nichts finden, ziehen wir weiter. Wir wollen eigentlich noch bis zum Oegii See, aber da es schon dunkel wird, schlagen wir noch einmal unsere Zelte auf. In einem licht bestandenen Wald finden wir Platz zum zelten und machen uns noch eine Tütensuppe warm.

05 September 2008

Mittelaltermarkt

Moin Hermann!

Nach und nach krabbeln wir aus den Zelten und gehen erstmal zum Frühstück. Es gibt leckere mongolische Pfannkuchen, und wir können uns Zeit lassen.
Gestern Abend haben wir mit dem Fernglas eine gute Wanderroute gefunden, die wir heute ablaufen wollen.
Stattdessen geht aber erst mal direkt vor unseren Zelten der Punk ab: eine große Nomadenfamilie zieht um. Eigentlich vier Familien, mit Sack und Pack: 80 Pferde, mehr als 80 Schafe und 100 Ziegen ziehen übers Land. Dazu noch ein paar Dutzend Yaks und Rinder, alle mitsamt Jungtieren. Ein lautes Geblöke, Getrappel und Gewiehere. Ein Pferd für Hauke Haien!

Dazu ein kleiner LKW und sieben Ochsenkarren. Der reinste Mittelaltermarkt! Die Ochsenkarren sind diesmal nicht aus alten LKW-Achsen zusammengebaut sondern haben richtige Holzräder.So ein Ochse.
Reiter mit den traditionellen Urgas (eine Art Lasso an einem Stab) halten die Herden zusammen.

Nebenbei fangen sie zwei Pferde aus der Herde, was einen ziemlichen Staub aufwirbelt. Beeindruckend, wie die Pferde die Gefahr spüren und sich gegenseitig in einer fließenden Masse von Leibern verstecken!
Der Treck ist schon seit 10 Tagen unterwegs und hat schon 300 Kilometer geschafft. Die Ochsen bestimmen das Tempo, und 300 Kilometer weiter müssen sie noch. Unterwegs nutzen sie das frische Weideland und verkaufen wenn möglich Pferde, Ziegen und Schafe.

Geld haben sie offensichtlich genug, denn sie wollen mir das Motorrad abkaufen - aber das ist ja schließlich mein Kalb, das kann ich doch nicht hierlassen!

Als sich der Wirbel legt, starten wir unsere Wanderung und lassen uns auf der anderen Seite des Sees absetzen. Umzug ohne Ochsen, ohne HerdeDas heißt allerdings auch auf der anderen Seite des Flusses - wir müssen an einer flachen Stelle hindurchwaten, um rüberzukommen.
Dort gelangen wir auf eine menschenleere Halbinsel und wandern durch die Botanik. Erkaltete Lava vom nahen Vulkan bildet bizarre Muster, und wir entdecken immer neue Blumen und Tiere. Fauna
Mit einem Biologen im Team wären wir hier keine zwei Meter weit gekommen.
Am See entlang tasten wir uns durch die Gegend, und ab und zu fliegt ein Schwarm Kormorane auf. Schön!

Vor dem Abendessen sind wir zurück, aber inzwischen ist uns auch warm genug, um ein erfrischendes Bad zu nehmen. Dabei ist das Wasser soo kalt!
Abends gibt es mal wieder ein kühles Getränk mit Hopfen und einen versöhnenden Ausblick auf den See. Ich bin zwar auf niemanden sauer, aber das hier könnte mich mit Allem versöhnen. Ich denke, ich behalte das Bild mal im Hinterkopf…

04 September 2008

Männchen machen

Moin Hermann!

Draußen ist es trocken, und die Sonne scheint. Die Fernfahrerkneipe ist auch bei Lichte betrachtet nicht idyllisch genug, um uns länger in ihren Bann zu ziehen, und nach einem schnellen Frühstück brechen wir auf.
Die Stiefel sind noch nass, und heute müssen dann mal die Trekkingschuhe ausreichen.

Schon 3 Kilometer weiter ist es schon netter, an dieser Stelle hat sich einmal bei einem Erdbeben einfach die Erde aufgetan. Ob sie jemanden verschlungen hat, wurde uns nicht überliefert, aber übriggeblieben ist ein toller Canyon, der einfach nur senkrecht abfällt, unten einen Fluss hat und dann wieder zum normalen Niveau emporspringt. Hölle!Canyon

Nochmal 4 Kilometer gibt es wieder was zu sehen: der Baum mit den tausend Ästen, bei dem es Glück bringt, wenn man einen Seidenschal und Naschereien dortlässt. Letzteres bringt auf jeden Fall den dort prächtig im Futter stehenden Erdmännchen Glück, denn sie leben dort wie im Schlaraffenland, wenn sie sich nur ab und zu für Fotoshootings aus dem Wurzelwerk herausbemühen. Ein Leben wie Gisele Bündchen.

Danach kommt eine lange Etappe von 40 Kilometern, die recht flockig an uns vorbeifliegt. Vor der Stadt biegen wir rechts ab und müssen an einer Schranke für die Einfahrt in das Naturschutzgebiet zahlen. Hoffentlich wird das Geld für die Reparatur der Brücke verwendet, die dahinterliegt - aber man kann noch drüberfahren. Danach wird es steinig, und zwei Mountainbikefahrende Touristen, die uns entgegen kommen, sehen nicht sehr glücklich aus. Es wird anspruchsvoller, Kleinbus und Jeep müssen ihre Geländeuntersetzung einschalten. Wie dann aber die am Parkplatz stehenden Hyundai Limousinen hier hochgekommen sind, ist mir schleierhaft. Materialmordend!

Wir stellen die Fahrzeuge ab, ich schlüpfe in etwas Bequemes und wir wandern den Vulkan hoch.Teile des Vulkans sind nach dem Ausbrechen nicht wiedergekommen Spannend hier, lauter schwammartige Steine liegen herum. Wann der wohl ausgebrochen ist?
Von oben hat man einen prima Blick auf den Krater und die sich außen verteilende Lavalandschaft. Dahinter: der Weiße See, unsere Heimat für die nächsten Tage. Sieht nett aus hier!Das Navi hat Recht: wir sind kurz vor dem See

Bald darauf stehen wir auch schon an der ersten Kreuzung und schauen, ob wir links oder rechts zum Touricamp abbiegen sollen. Ein freundlicher Reiter gibt uns Tipps, aber wir merken bald, dass seine Aufgabe darin besteht, immer dann zufällig vorbeizukommen, wenn Touristen zu sehen sind, die nicht zielstrebig auf eines der Camps zusteuern.
Wir fahren ein paar Camps weiter und finden eines, das mit gut ausgebauten sanitären Anlagen und einem Erdmännchen lockt. Ich schleiche mich nach Indianermanier in voller Montur an so einen Erdmännchenbau heran und verballere 40 Bilder. Die sind voll süß!Mach Männchen!

Hier können wir unsere Zelte aufbauen, Stiefel in die Sonne stellen und nach dem Abendessen für heute Abend angeln.
Und duschen!
Dabei allerdings muss man ein bisschen aufpassen und die Augen offenhalten. Von 2 Glühbirnen leuchtet nur die eine, die andere ist kaputt - aber gleich komplett ohne Glaskolben. Die Anschlüsse für den Glühdraht sind noch da, und jemand hat aus Sicherheitsgründen die Scherben weggefegt. Es könnte sich ja jemand schneiden!
Dass man einen in 2 Meter Höhe hängenden 220-Volt Anschluss, im Duschwasser stehend, nicht überlebt, ist hier noch nicht so angekommen. Vielleicht hat man ja auch Glück, und der Generator geht in die Knie, wenn es zum Kurzschluss kommt. Man muss ja auch beim Duschen nicht so mit den Armen fuchteln. Deutsche im Ausland sollen sich nicht immer so anstellen!
Genug für heute, ich freue mich, dass ich lebe und schlafe den Schlaf der Gerechten.

04 September 2008

Galerie

FunduroFavoritenSo is' recht!Neue HorizonteAbendstimmungNein, bin ich nichtJa, bin ichWas wird das - ein Quiz?Da samma!Über den WolkenDas richtige Motorrad für...Gleich riecht erMongolische Möbel Teil IDekorationMarkenwahreDas Getränk bitte ohne EisAuch ein Relikt - vielleicht Kriegsbeute?Farbenfrohe FolkloreCombo mit mongolischer PferdekopfgeigeMongolische Möbel Teil IIEnde der AusbaustreckeDas ehrbare Handwerk des Stoßstangenschusters wird hier noch lebendig gehalten WohnmobilZopfmusterGuesthouse in Ulan BatorDie StadtBlick zurück, kein ZornKrater im Zylinderkopfsieben Achtel vom Ventilsitz - und ein plangeschliffener ZylinderkopfDurchblickTiere im BadWenn es am Tag nur 2 Stunden Strom gibt, ist es auch egal, ob das Bier im Kühlschrank steht.Koffer kaputt?Mercedes LF 16Ein Pferd für Hauke Haien!So ein Ochse.Umzug ohne Ochsen, ohne HerdeFaunaCanyonTeile des Vulkans sind nach dem Ausbrechen nicht wiedergekommenDas Navi hat Recht: wir sind kurz vor dem SeeMach Männchen!Werkstätten...und LagerMotorradfahren in der MongoleiSanitäre Anlagen der FernfahrerkneipeRauchender Schornstein vor Großem WagenAbzüge in der B-Noteunder constructionMit TaucherbrilleAlgen an der FußrasteOhne TaucherbrilleDach eines TempelsModerne ZeitenAdler auf der WieseFly like an EagleBlick aus dem SchlafzimmerKloster Ongiin Khiid und der ausgetrocknete Fluss. Gegenüber: ehemaliges Kloster-ArealWieder aufgebauter TempelIm Schweiße meiner Füße...Ein Stück vom HimmelSchotter!92 Oktan? no fucking way...BayanzaqLustige Zipfel, schwer zu erkennen10 vor sieben5 nach siebenBuckel und PisteGräben grabenAbstellen eines Motorrads ohne Benutzung des HauptständersDünenfeld mit SchauertätigkeitTiefladerLandpartie mit ZiegeDurch diese hohle GasseKleinbus an der EngstelleWasserträgerGuckt nicht so blöd in die Kamera!Steppe und blaue BergeSonnengruß! Mit Yoga beginnt der TagVon Bullen angehalten. Hier: Kamel-BullenAnfahrt GeierschluchtGeierschluchtBenzin- und trostlose TankstelleJugendabteilung der wilden HordenHammeraussichtZelte in MotorsportgeländeUAZ beim BeladenSchnupftabakflasche und das Material für die NächsteWolken, Felsen und TouristenUAZ VergaserTssssssVor dem Praktikum gab es eine Schulung zur ArbeitssicherheitReiseenduro bei NachtGrauer Kleinbus der Marke UAZChinggis KhaanGüterzug aus PekingFeinstaubfilterMotorrad auf ReisenMARKTKRAMPötte un PannenFahren oder nicht fahren - das ist hier die FrageStempeln gehenZeit dass sich was dreht!Da ist sie!Ausreichend Platz für die MontageSukhbaatar Platz mit ParlamentsgebäudeSind wir bald da? Isses noch weit?Dem Morgen graut

03 September 2008

Landregen

Moin Hermann!

Heute steht der Kurs wieder auf Nordwest, und nach einem ordentlichen Frühstück kommen wir kurz nach 10 Uhr los. Gegen Mittag sind wir in der Hauptstadt dieser Region, in Tsetserleg, wo es mal wieder Benzin gibt, alle Sorten! Der UAZ-Fahrer hat gemeldet, er braucht ein Ersatzteil für den Motor, der Zünd-Unterbrecher ist kaputt. Hier wird er so etwas wohl finden, denn die Straße ist voll mit Werkstätten und Lagerhäusern. Viele der Läden und Lager sind abgestellte Container, und ich hoffe nur, dass auch ein paar Container den Weg wieder aus der Mongolei finden.Werkstätten...und Lager

Es gibt noch ein Internetcafé und eine Poststation. Briefe versenden ist in der Mongolei nicht sehr verbreitet - es gibt kaum Straßennamen, und einen Briefkasten, der regelmäßig geleert wird, finden wir nicht mal im Postamt. Immerhin gibt es einen Angestellten, der sich um unsere Postkarten kümmern will.
Auf der kurzen Strecke zur Tankstelle spare ich mir, zumindest mal hier in der Mongolei, das Aufsetzen des Helms. Prompt und wie zum Hohn begegnet mir in dieser Stadt der einzige mongolische Mopedfahrer, der einen Sturzhelm aufhat. Was der wohl für einen Grund hat?

Außerhalb der Stadt finden wir eine nette Restaurantjurte, in der wir etwas Gutes zu essen bekommen. Draußen fängt es an, zu regnen und zu stürmen, und mir schwant Übles - wir müssen weiter. Das Gewitter, das seit der Stadt vor uns herzieht, haben wir inzwischen eingeholt und es regnet wie aus Kübeln. Die Schlaglöcher werden zu Pfützen, und es ist schwierig, den richtigen auszuweichen. Übel sind die Auswaschungen an der Seite der Piste, und an der braunen Farbe sieht man, wie der Fahrweg den Bach runtergeht. Bloß da nicht reingeraten!

Ich habe jetzt Regenhose und -Jacke an, und inzwischen auch die Griffheizung. Höchste Stufe! Wenigstens ist mir nicht kalt.Motorradfahren in der Mongolei
Es beginnt zu dämmern, und wir halten an einem Hof. Ob wir hier für die Nacht unterschlüpfen können? Die Leute sind freundlich, aber die Kollegen kommen kopfschüttelnd wieder heraus: wenn es irgend geht, sollten wir hier nicht bleiben!

Es geht weiter, der Kleinbus fährt los, der Jeep fährt los, und meine BMW macht nur Klick! Batterie leer? Wieso?
Ich schalte Licht und Griffheizung aus, und es macht wieder nur klick. Verdammt! Inzwischen sind die anderen zwei Fahrzeuge schon außer Sichtweite, und ich steh hier im Regen mit den Stiefeln im Schlamm. Nerv. Kurzerhand schiebe ich das Kälbchen den Damm runter und lasse sie bergab Schwung holen. Kommen lassen - uff, angesprungen, jetzt nur nicht ausgehen lassen! Mit schleifender Kupplung und viel Gas fahre ich wieder auf die Piste zurück und hole die Anderen ein.
-War was? -Nö, wieso?

Wir fahren noch ein Weilchen, es ist dunkel und langsam wird mir doch kalt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt jetzt bei 20 km/h, und wir kommen schlecht voran. Vor uns sind irgendwann Lichter, und ich wünsche mir, dass da ein Jurtencamp mit einer Thermalquelle auf uns wartet.
Immerhin ist es eine Art Fernfahrerkneipe, bei der wir unterschlüpfen können. Die Einrichtung ist in etwa wie auf einer Alpenhütte, und zur Benutzung der Toilette müssen wir nicht hinter den Fels gehen. Nein, hier gibt es extra eine Steinmauer dafür!Sanitäre Anlagen der Fernfahrerkneipe
Eine Garderobe allerdings fehlt, und auf Nachfrage reicht uns der Wirt einen Nagel. Mit dem Hammer für die Zeltheringe schlagen wir den Nagel in die Wand, die Garderobe ist fertig.
Bei meinen nächsten Touren werde ich selber einen Schraubhaken mitnehmen soviel steht fest!
Wir bekommen noch ein einfaches Abendessen, geduscht habe ich heute ja schon den ganzen Tag, und durch die wohlige Wärme es Ofens habe ich morgen vielleicht schon wieder trockene Handschuhe.


02 September 2008

Essen. Baden-Baden. Essen.

Moin Hermann!

Nachdem ich gestern das letzte Hemd durchgeschwitzt habe, gibt es heute wieder einen Wäsche-Service. Einfach abgeben, mit Händen und Füßen vermitteln, dass man es gerne sauber wiederhaben möchte, und gut isses.

Die Nacht war kalt, mittags ist es ganz angenehm, aber längere Wanderungen durchs Allgäu überlasse ich anderen.
Nicht, dass ich faul wäre, aber mein verspannter Rücken wünscht sich, lieber nochmal in das heiße Thermal-Wasser einzutauchen. Was tut man nicht alles für seinen Rücken! Immerhin gilt das Wasser als medizinisch wirksam und geeignet, Schmerzen zu lindern, Nerven zu beruhigen und die Müdigkeit zu entnehmen.
Nach dem Abendessen gibt es dann noch ein Bad in der Therme, und der Ofen in der Jurte wird angefeuert - in dieser Gegend gibt es Brennholz statt Kameldung, und es duftet fein.Rauchender Schornstein vor Großem Wagen
Die Kilometerleistung liegt bei Null - morgen dann wieder!

01 September 2008

Algen an der Fußraste

Moin Hermann!

Heute fahren wir weiter in die Berge hinein, und außer Piste wird mir auch Asphalt versprochen. Zunächst aber biegt der Fahrer 2 Minuten nach dem Losfahren wieder von der Piste ab. Was nun? Vor ihm ist eine Brücke, der er offensichtlich nicht traut, und er fährt den UAZ neben der Brücke durch das Wasser.
Der Isuzu biegt ebenfalls ab, und ich sehe noch, wie ein Einheimischer mit seinem Moped wiederum die Brücke benutzt. Vielleicht würde sie mich schon noch tragen?

Aber bevor ich hier zuviel nachdenke rangiere ich an den Fluss heran, schaue nochmal skeptisch und fahre im ersten Gang durch. Na geht doch! Abzüge in der B-Note
An der verkrampften Haltung kann ich noch etwas üben, und an das durchs Wasser gedämpfte Geräusch des Motors muss ich mich erst noch gewöhnen, aber es geht.

Weiter folge ich dem UAZ, der schon auf der frisch gebauten Piste fährt, einem hohen Wall mit ebenem Schotter. Kaum freue ich mich über diese Annehmlichkeiten, sind sie auch schon wieder vorbei. Die Piste ist durch eine Reihe von Sandhaufen als gesperrt markiert, und hinter der Sperre ist es tatsächlich absolut unwegsam. Wir fahren den 30 Grad steilen Hang hinunter und sind wieder auf unseren gewohnten 4 bis 12 Fahrspuren unterwegs, und es staubt auch wieder wie sonst in der Steppe. Ab und zu sehen wir Straßenbautrupps, die Asphalt mischen für die nächsten Abschnitte der Piste.

Gegen Mittag habe ich dann zwei, drei Wasserdurchfahrten hinter mir, aber jetzt kommt eine, die irgendwie tiefer aussieht. Die Betonbrücke nebenan under constructionwird erst gebaut, bietet also keine Alternative. Wiederum erster Gang, nicht zuviel Schwung, aber dennoch spritzt das Wasser bis zum Windschild. Das viele Wasser will verdrängt werden, und die Bugwelle bremst die BMW ab. Kurz vor dem Ufer, Blob, Motor aus. Ich stelle den Fuß auf den Boden des Flusses und ärgere mich. Was nu? Mit TaucherbrilleAlgen an der Fußraste
Ist der Einzylinder nur ausgegangen, oder hat er Wasser geschluckt? Der Lufteinlass unter der Sitzbank ist eigentlich noch recht trocken, also probiere ich den Starter. Sie läuft!
Etwas skeptisch schiebe ich sie mit schleifender Kupplung aus dem Wasser, aber es ist weiter nichts passiert.
2 Motorräder mit Beiwagen kommen uns entgegen, Franzosen auf dem Weg durch das Land. Sie haben die russischen Ural-Maschinen in Ulan Bator gekauft und werden sie am Ende wieder an Touristen weiterverkaufen.
Der erste ist schon durch, beim zweiten denke ich, der ist ja schnell, Ohne Taucherbrilleund plötzlich macht es wieder Blob, und er steht mitten im Fluss. Motor aus, diesmal vielleicht wirklich mit Wasser in den Vergasern. Er hat seinen eigenen Service-Jeep dabei und lässt sich am Seil aus dem Wasser ziehen. Es wird schon gehen!

Nochmal zwei Stunden später sind wir in Karakorum angekommen. Mit den Ortsnamen muss man wieder aufpassen. Karakorum ist der Name der mongolischen Hauptstadt zu Chinggis Khaans Zeiten, heute eine abgesperrte Ausgrabungsstätte. Die daneben liegende Stadt Kharkhorin hat eher sowjetischen Charme und dient den Touristen als Basislager. Hauptattraktion dagegen ist das buddhistische Kloster Erdene Zuu, eine beeindruckende Anlage mit 5 erhaltenen Tempeln. Wir sehen riesige Buddha-Statuen, kunstvolle Wandmalereien und drei Mönche auf Fahrrädern.
Dach eines TempelsModerne Zeiten

Nach dieser touristischen Einlage sind wir hungrig und essen in einer nahen Restaurant-Jurte. Ein koffeinhaltiges Kaltgetränk macht mich wieder fit für die restlichen 109 Kilometer. Wir starten um 19:00 Uhr und schaffen einen Schnitt von 36 km/h, da es nach dem Verlassen der Haupt-Piste wieder recht staubig und holprig wird. Aber auch schön zu fahren! Nach der Sonnenfinsternis hat der Mond schon wieder eine zunehmende Sichel erarbeitet und geht nun kurz nach Sonnuntergang unter. Es sieht jetzt wieder aus wie im Allgäu, und der untergehende Mond ist noch zu sehen, während die Sonne die letzten Kuppen links von mir in goldenes Licht taucht. Kitschig!
Wir bekommen noch ein paar Wasserdurchfahrten, die aber nicht unnötig tief sind, dafür wird es staubig, und feiner Sand sammelt sich in den Spurrillen. Es ist stockdunkel, als wir uns durch das letzte Nebental bis zu unserem Ziel vortasten, aber es hat sich gelohnt. Es gibt ein behagliches Jurtencamp, und nach dem Beziehen der Jurte und einer schnellen Dusche liegen wir im 35 Grad warmen Steinpool und genießen den Sternenhimmel. Frisches Wasser aus einer natürlichen heißen Quelle plätschert in den Pool, und es geht uns gut.