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31 August 2008

An der Biegung des Flusses

Moin Hermann!

Wir beginnen den Tag mit nachtanken aus dem Kanister und dürfen dann nach Norden aufbrechen, raus aus der heißen Steppe! Die Steppe wird nach und nach grüner, und wenn wir zwischendurch anhalten, hören wir aus allen Richtungen Mäusegepiepe. Der Boden ist übersät mit Mäuselöchern, und auch die Adler sind auf der Pirsch.

Einer fliegt erst auf, als ich 10 Meter vor ihm ausrolle. 100 Meter weiter setzt er sich ins Gras, und ich mache einen kleinen Umweg über die Wiese. Jetzt fliegt er in ein paar Metern Höhe vor mir her, fast neben mir, und ich merke, wie er mich taxiert. Ein tolles Gefühl - bin mit Adlern Motorrad gefahren… ok, mit Delphinen Boot fahren ist bestimmt besser, aber ich wollte ja Mongolei.
Adler auf der WieseFly like an Eagle
Die Gegend wird hügeliger, und am Nachmittag komme ich mir schon vor wie im Allgäu - nur menschenleer.
Wir überqueren eine Straße in Richtung Ulan Bator, der erste Asphalt nach 1000 Kilometern… leider nur 6 Meter, es geht weiter über Pisten. Wir machen Pause und finden direkt neben der Straße die ersten Edelweiß, einfach so in der Wiese.

Abends kommen wir nach Hujirt, wo wir uns schon mal die Lage der Tankstelle merken (unser Bargeld ist alle) und einen netten Platz zum Zelten am Fluss suchen.
Es sind zwar überall Hinterlassenschaften von Rindern, Yaks und Ziegen verteilt, aber eines, was wir hier gelernt haben, ist: Vegetarier-Kacke stinkt nicht.
Wir finden genügend Fladen-freie Wiese für die Zelte, und je dunkler es wird, desto weniger stört es.Blick aus dem Schlafzimmer

Die friedlich grasende Rinderherde hat ebenfalls ihre Scheu überwunden und grast sich an uns heran. Einzig ein unerfahrener Jungstier kann mein Steppenkalb nicht von einem möglichen Rivalen unterscheiden. Er sucht noch jemanden, an dem er seine Hörner abstoßen kann. Er pirscht sich bis auf 2 Meter an die auf dem Hauptständer stehende BMW heran. Jetzt senkt er die Hörner, das Publikum hält es nicht mehr auf den Campingstühlen. Mit dem Vorderfuß kratzt er eine kleine Kuhle in die Wiese und ist irritiert, dass sich sein Gegner nicht von der Stelle bewegt. Ich bin froh, dass kein Handschuh, kein Halstuch im Wind baumelt, und der Stier schnaubt - diesmal mit einem verächtlichen Unterton, wie mir scheint. Er stempelt meine Maschine zum Feigling und kehrt ohne den erhofften Triumph zurück zu seinen Fans. Puh!

30 August 2008

Ruhe!

Moin Hermann!

Nachdem ich meinen Sport gestern auf dem Motorrad hatte, darf ich mir heute einen ruhigen Tag gönnen. Die Wanderung zum nahe gelegenen Kloster ist schon alles, was ich mir heute zumute. Ruhetag.

Das Kloster von Ongiin Khiid ist dann allerdings schon spannend. Hier erlebt man mongolische Geschichte hautnah. Der sowjetische Einfluss von 1937 bis 1990 hat den Buddhismus massiv und rücksichtslos unterdrückt, aber inzwischen hat ein ehemaliger Klosterschüler den Wiederaufbau begonnen. Wo einmal 1000 Mönche gelebt haben, sehen wir heute gerade mal 4, aber die Bedeutung als Kulturgut spürt man hier mit jedem Schritt.Kloster Ongiin Khiid und der ausgetrocknete Fluss. Gegenüber: ehemaliges Kloster-ArealWieder aufgebauter Tempel

Wir wandern am ausgetrockneten Fluss entlang zurück zum Camp, und ich bin froh, dass ich bei wieder einmal 38 Grad nicht mehr tun muss als im Schatten zu sitzen und zu lesen oder meinen Motorradstiefeln beim Lüften zuzusehen. Urlaub!
Im Schweiße meiner Füße...Ein Stück vom Himmel






29 August 2008

angefressen

Moin Hermann!

Inzwischen haben wir uns an das Nomaden-Dasein schon gewöhnt, Koffer packen, reisefertig machen, alles geht wie geschmiert. Wir haben den Luxus und können noch mal duschen und ordentlich frühstücken.

Los geht’s, zunächst mal über nette Schotterstraßen raus aus den Blauen Bergen, und dann: hinein in die Steppe. Schotter!
Wir fahren West-Nordwest und kommen ganz gut voran, bis plötzlich niemand mehr hinter mir ist. Ich warte, keiner kommt, und schließlich fahre ich zurück. Nach 2 Kilometern stehen Jeep und Kleinbus auf dem Weg: dem Isuzu hat es bei einer Bodenwelle ein Unterboden-Blech weggebogen.
Mit der Werkzeugkiste des UAZ wird das Blech ausgebaut, wieder geradegedengelt und angeschraubt. Fertig. Ich nutze die Zeit, um meinen Tank aufzufüllen.
Es geht weiter, und nach zwei Stunden kommt ein größerer Ort, es gibt wieder mal Tankstellen. 92 Oktan gibt es nicht, aber meine BMW ist noch satt vom Kanister.
92 Oktan? no fucking way...

Wir erreichen zur Mittagszeit Bayanzaq. Das ist eine neue und wieder ganz andere Felsformation, die ein bisschen an den Grand Canyon erinnert. Aus Fotografen-Sicht eher etwas, um abends hier zu sein, aber man kann nicht alles haben. Bayanzaq
Dafür wurden hier, wo die Erosion immer mal wieder ein paar Schichten freiweht, vor einer Weile Dinosaurier ausgegraben.

Dino-Knochen finden wir nicht, aber wir nehmen uns Zeit, um die Lunchpakete von unserem letzten Touristencamp zu verputzen. Zum Schluss gibt es noch ein Pfefferminzplätzchen für jeden, und alle sind zufrieden.
Wir machen uns auf den Weg, diesmal Nord-Nordwest, und wieder Steppe. Die Fahrspuren sind einigermaßen glatt, und es läuft.

Ab 6 Uhr werde ich nervös, denn die Vorstellung sollte bald beginnen. Programm heute: Sonnenfinsternis.

Vom Bereich des Kernschattens sind wir zwar etliche Meilen entfernt, aber man sollte doch schon was sehen. Dunkler wird es noch nicht, und ich bin mir nicht sicher, wann das Maximum eigentlich erreicht sein wird. Kann man hier überhaupt etwas davon sehen?
Doch das Schauspiel beginnt, und als Erstes sehe ich beim Fahren, dass auf meinem inzwischen länger gewordenen Schatten komische Zipfel zu sehen sind. Jede Falte in der Jacke wirkt wie eine Lochkamera, Lustige Zipfel, schwer zu erkennennur dass sie nicht eine runde Sonnenscheibe abbildet, sondern einen angefressenen Keks. Ich bleibe stehen und schau durch meine wohlweislich in den Tankrucksack gepackte Sonnenfinsternisbetrachtungsbrille.
Stark! Der Mond hat schon einen guten Teil herausgebissen, und es wird mehr. 10 vor sieben
Der Jeep hat ebenfalls angehalten, aber das Team Kleinbus ist schon auf und davon.
Wir packen die Brillen wieder ein und düsen dem Bus hinterher.
Es staubt, und nach ein paar Minuten machen wir alle zusammen eine große Naturschauspielpause. In den letzten Minuten ist es in kleinen Stufen dunkler geworden, und das Licht kommt irgendwie von allen Seiten, eine eigenartige Stimmung. Komplett dunkel wird es nicht, dafür ist der Kernschatten zu weit weg.
5 nach sieben
Die besten Fotos machen wir, als wir unser Riesen-Fernglas als Lupe benutzen und ein großes Bild der angefressenen Sonne auf die Bustür projizieren.
So, halb acht, wir haben noch 86 Kilometer vor uns, und um uns wird es wieder heller, allerdings nur, um anschließend wieder in Dämmerung überzugehen. Ich kreuze die Fahrspuren je nach Windrichtung und Staubfahne, aber ich kann meistens am Gas bleiben. Ab und zu kommt der Tacho an die Hundertermarke, aber dann heißt es wieder abbremsen, Spur wechseln und wieder Fahrt aufnehmen.
Im Dunkeln kommen wir in Ongiin Khiid an, ich folge nur blind den Spuren und Rücklichtern des UAZ, bis wir viertel nach neun ankommen. Die letzte Strecke ist noch mal tückisch, tiefer Sand und Spurrillen, aber nach insgesamt 290 Kilometern kann ich das jetzt auch noch abturnen. Es gibt noch eine Kleinigkeit zu essen und ein kaltes Bier, und wieder geht ein Tag.

28 August 2008

Sandstand

Moin Hermann!

Ein freier Tag! Nachdem wir gestern 160 Kilometer gefahren sind, ist heute wieder Ruhetag. Es darf geduscht werden, und es gibt Frühstück mit leckerem Brot, das im Camp gebacken wird. Verständlich, denn den Bäcker um die Ecke gibt es hier nicht.

Wir brechen auf, um die große Dünen Khongoryn Els zu besichtigen. Trotze Allem bekomme ich nicht genug vom Motorrad fahren und schwinge mich auf die Maschine. In Sichtweite der Dünen halten wir beim Kamelvermieter und die Kollegen wechseln auf das Wüstenschiff. Buckel und PisteDer Bus und ich dagegen fahren schon mal zur großen Düne und könnten uns jetzt eigentlich sonnen.
Trotz 36 Grad (und es wird noch heißer) lasse ich meinen Helm auf und beginne im Sand zu spielen. Allerdings merken mein Motorrad und ich, dass dieser Sandkasten nicht viel Spaß erlaubt: der Sand ist dermaßen fein, dass er schier nach den Rädern greift und keinen Vortrieb zulassen will. Gräben graben
Oder stelle ich mich nur doof an? Vom Erklimmen irgendwelcher Dünen oder Hügel kann ich hier nur träumen und bleibe auf der Ebene. Als mir der Schweiß den Rücken runterläuft und in der Motorradhose wieder verschwindet, ist es genug. Schatten!
Abstellen eines Motorrads ohne Benutzung des Hauptständers

Die Anderen kommen aber auch schon um die Ecke, und ich darf eine kurze Runde auf dem Kamel reiten. Das ist wesentlich entspannter, als sich ständig festzufahren.
Wir sammeln uns beim Kleinbus und machen uns fertig für den Aufstieg. Da mir schon warm genug ist lasse ich die Motorradstiefel weg, bin aber froh, dass ich die dicken Socken dabei habe: der Sand ist kochend heiß.
Wir machen uns an den Aufstieg auf die Düne und ackern über eine Stunde den Hang hoch. Warum tu ich mir das an? Ich bleibe kurz vor dem Gipfel etwas zurück und höre ein Brummen. Darauf hat mich keiner vorbereitet. Zuerst denke ich, da muss doch irgendwo ein Flugzeug sein! Aber dann merke ich, dass das Brummen aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen scheint und ich es auch im Magen und an den Fußsohlen spüren kann. Die ganze Düne unter mir bebt und brummt, das Phänomen der singenden Dünen. Man weiß nicht viel darüber, aber es entsteht, wenn Sand abrutscht (durch Wind oder Touristen) und sich das Abrutschen bis in tiefere Schichten im Sand fortsetzt. Ein irrer Sound!
Derart verwirrt stapfe ich die letzten Meter bis zum Grat, wo mich ein toller Ausblick über die Dünen im Süden belohnt.
Dünenfeld mit Schauertätigkeit
Der Sand ist hier so steil, dass jede kleine Störung sofort eine ausgiebige Lawine auslöst. Als wir dann zusammen mit großen Schritten runtersteigen, beginnt die Düne wieder ihr Lied. Andauernd und tief, und auch, wenn der Oberflächensand schon wieder zur Ruhe gekommen ist, dröhnt und zittert es unter uns minutenlang weiter.
Im Camp angekommen darf der Rest des Tages mit wenig-tun verstreichen, schließlich sind wir im Urlaub. Nachmittags kommt noch ein Sandsturm auf, der uns sowieso in die Jurte verbannt.

27 August 2008

Verschiedene Leckerbissen

Moin Hermann!

Heute erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Strecke, und es liegen etliche Kilometer vor uns. Unser UAZ-Fahrer hat eine Abkürzung über einen Gebirgspass vorgeschlagen, aber er ist sich nicht sicher, ob der Isuzu Jeep an der schmalsten Stelle hindurch passt. Sein Bus passt so gerade.
Was soll denn das für eine Straße sein? Hört sich interessant an. Wir vermessen grob die beiden Fahrzeuge, und wenn der UAZ durchpasst, dann geht es auch mit dem Jeep.
Zuerst aber fahren wir nochmal in die Geierschlucht hinein, wo ich an einer Kreuzung warte. Die Wanderung zum Ende der Schlucht erspare ich mir, ich werde noch genug Sport auf der BMW haben. Immerhin verpasse ich den letzten Rest eines Gletschers, der an einer windigen Stelle so dahinschmilzt. Ohne den kalten Wind wäre das Eis schon im Mai geschmolzen, wieder mal ein Phänomen, das die Mongolei für uns bereithält.

Während des Wartens, ich bereite mich mental auf die Strapazen des Tages vor, kommt ein Mongole mit einem vollbepackten Moped die Passstraße heruntergeknattert. Ich weiß nicht, ob er Kartoffeln oder Kräuter transportiert, aber so schwierig kann die Strecke nicht sein, wenn er mit der Fuhre da langfährt.Tieflader

Die anderen kommen vom Gletscher, und es ist nochmal Zeit für Tütensuppen. Andere Leute nehmen sich da mehr Zeit. Ein LKW fährt an uns vorbei, auf der Ladefläche eine winkende Großfamilie, eine Milchkanne und eine Ziege. Die Ziege freut sich, dass sie auf diesen Ausflug mitdarf, und die Familie freut sich, dass es heute eine besondere Leckerei gibt: Ziege in der Kanne. Dazu wird ein Feuer angezündet, Steine heiß gemacht, die Ziege geschlachtet und abwechselnd eine Lage heiße Steine und eine Lage Ziege in der Kanne aufgeschichtet.
Slow food auf mongolisch.Landpartie mit Ziege

Wir dagegen machen uns auf den Weg, der zuerst mal steil nach oben führt. An einer tückischen Kuppe springt mir der erste Gang raus, und erst nach etwas straucheln, zappeln und fluchen bleibt die BMW auf dem Weg stehen. Grad wenn man mal Drehmoment braucht!
Weiter geht’s, und ich kann vorausfahren, weil es wie auf jeder guten Passstraße keine Kreuzungen gibt. Dafür kreuzt im oberen Teil ein Bach den Weg, von links nach rechts. Dann von rechts nach links, hin, her, her, hin, irgendwann sind Bachbett und Pfad eins geworden. Schön zu fahren, ein echter Leckerbissen für den Enduristen, solange der Bach nicht zum Fluss wird.
Oben angekommen plätschert der Bach durch einen 2,50 Meter breiten Durchlass, sehr spektakuläre Durchfahrt! Fotopause!Durch diese hohle GasseKleinbus an der Engstelle

Nach unzähligen Fotos (nebenan wird noch eine Ziegenherde getränkt) geht es weiter.
Eine Stunde später sind wir am südlichsten Punkt der Reise, in Bayandalay. Am Stadtrand Wasserträgergibt es einen Brunnen mit einer Handpumpe, an dem wir uns mit frischem Wasser versorgen.
Ab hier haben wir die blauen Berge immer auf der rechten Seite und fahren durch spärlich begrünte Steppe in Richtung West-Nordwest.
Ab und zu gibt es kleine Gruppen von Steppenkälbern, die ich aber nicht dazu bringe ein Gruppenfoto mit der BMW zu machen.Guckt nicht so blöd in die Kamera!Steppe und blaue Berge

Die Schatten werden länger, und der Wind legt sich. Der Staub steht, wieder einmal. Als es dunkel wird und die Wege unübersichtlich werden, muss ich außerdem wieder dem Bus hinterherfahren, der jetzt seine Geländequalitäten auslebt. Durch den kleineren Federweg muss der Jeep öfter abbremsen, um eine Bodenwelle ohne gebrochene Federn oder Schultern zu überstehen. Rüdes Terrain hier!

Es wird dunkel, und ich bin froh, als ich am Horizont Licht sehe. Doch das ist nur eine Gruppe von Kleinbussen, die koreanische Touristen durch die Steppe kutschieren. Also weiter. Am Touristencamp angekommen entspanne ich mich und bin froh, da zu sein - aber das Camp ist reserviert für eine Gruppe von Koreanern, die 3 Minuten später auch in einer riesigen Staubwolke ankommen.

Also heißt es nochmals aufsatteln und die Entspannung für später reservieren. Will da sein!
Sieben weitere Kilometer spulen sich im Lichtkegel der BMW ab, und wir sind jetzt wirklich da. Hier stehen schon freundliche Zimmermädchen bereit, unsere Taschen und Rucksäcke auf Karren zu laden und zu den Jurten zu fahren. Das ist mal ein guter Service!
Es gibt Duschen, und es gibt Strom, und mehr wollen wir ja gar nicht! Und doch, es gibt sogar noch ein kühles Getränk. Gute Nacht.

26 August 2008

Schütteln und frieren

Moin Hermann!

Herrlich! Ich habe zwar mangels Schlafsacks ziemlich gefroren und mich irgendwann in mein Zelt verkrochen, um dort weiterzufrieren. Aber der Anblick bei Sonnenaufgang entschädigt für Einiges, die rot angestrahlten Felsformationen leuchten uns an, und die Suche nach der besten Aussicht ersetzt die Morgengymnastik. Sonnengruß! Sonnengruß! Mit Yoga beginnt der TagDas erste Foto des Tages entsteht viertel vor sechs, und wir sehen großes Kino.
Gut gelaunt gibt es Tee und Frühstück, wir bauen gemütlich die Zelte ab und sind vor 10 Uhr unterwegs. Nach 38 Kilometern gibt es zwar eine Tankstelle, und sie hat auch Strom, aber nur Benzin mit 80 Oktan. Ich rechne nochmal nach, bin schon auf Reserve und strecke meinen Restinhalt mit 3 Litern hiesigem Kraftstoff. Ob sich das mischt und wieviel Kraft da noch drinsteckt werden wir schon sehen, sollte jetzt aber bis zur Stadt Dalandzadgad reichen.
Die Kilometer ziehen sich, aber die Pisten sind ganz in Ordnung, und ich finde meistens eine Fahrspur, in der nicht gleichzeitig Waschbrettpiste, Tiefsand und Staubfahne vereinigt sind. Wer wollte sich beschweren?Von Bullen angehalten. Hier: Kamel-Bullen
Zwischendurch genehmigen wir uns einen Snack oder wir kommen durch eine Stadt, in der es kalte Coladosen gibt: jetzt weiß ich wieder, was die Amerikaner Gutes in die Welt gebracht haben.

Um halb fünf sind wir dann in Dalandzadgad, und es gibt einen Reifenhändler, ein Restaurant, ein Internetcafé und eine Tankstelle. Mein Einzylinder hat nicht gemuckt und die Fernreise-Mischung gut vertragen, aber jetzt gibt es wieder gute 90 Oktan. Super!

Nach dem Tanken geht es weiter westwärts, immer die blauen Berge im Blick, und dann nochmal bergauf: 800 Höhenmeter, bis wir gegen acht Uhr in der Geierschlucht bei 2400 Meter über Westerland ankommen. Anfahrt GeierschluchtAm Eingang der Geierschlucht zahlen wir erst einmal Eintritt. Von der Schranke aus sind es nochmal 10 Kilometer, und wir kommen zum Eingang der Geierschlucht. Ab hier gehen wir zu Fuß weiter, begleitet von einem quirligen Bach, der Dämmerung und kleinen Hasen, die sich gegenseitig vor uns warnen. Ein Gepfeife und Gefiepe, hier ist richtig Leben in der Bude!
Wir wandern mangels Sonnenlicht bald wieder zurück und müssen vom Parkplatz nochmal wieder 10 Kilometer zurück bis zur Schranke. Es ist stockdunkel, und so richtig Lust auf Zelt aufbauen habe ich nicht. Zu allem Überfluss fängt mein Motorrad auf der welligen Piste an zu klappern. Was ist das denn jetzt? Im Scheinwerferlicht des UAZ sehe ich: die Hupe ist abgeschüttelt und hängt nur noch am Kabel. Hm, nicht so schlimm, aber in der Hauptstadt? Totalschaden!

Beim Schrankenwärter ist dann neben der Tourist-Info-Jurte noch eine Gästejurte frei, Geierschluchtund wir beziehen hier ein gemütliches Nachtlager. Wieder mal etwas niedrig für Normaleuropäer, aber nach ein paar Schrammen am Kopf gewöhnt man sich dran. Sind ja nicht die ersten in meinem Leben.
Der Bach plätschert leise und während wir die Schlafsäcke ausrollen repariert der UAZ-Fahrer im Licht der Stirnlampe seinen Ersatzschlauch, und die Welt ist wieder in Ordnung.

25 August 2008

Sütentuppen

Moin Hermann!

Wir wachen auf, als der Hund bellt. Vielleicht muss er mal Gassi gehen? Aber da er frei herumläuft und nicht in eine Stadtwohnung eingepfercht ist, ist die ganze Welt für ihn eine Hundetoilette. Das ist also nicht der Grund. Tatsächlich - es kommt einer auf dem Moped angefahren, wohl eine Art Ranger, der wahrscheinlich, wenn wir kein mongolisch gesprochen hätten, erstmal Gebühren angefragt hätte. So aber gibt er uns noch einen Straßenzustandsbericht für die südlichen Gebiete und fährt wieder von dannen.
Wenn wir heute gut sind, kommen wir bis zur Geierschlucht. Vorher muss aber erstmal Benzin- und trostlose Tankstellegetankt werden, 119 Kilometer seit dem letzten Mal habe ich schon auf der Uhr.
Eine Stunde später ist schon die erste Tankstelle gefunden. Leider hat sie kein Benzin, von einem Tankwart mal ganz abgesehen. Also fahren wir weiter Richtung Süden.

Als Nächstes hat der graue Kleinbus eine Reifenpanne, was aber aufgrund der Routine des Fahrers gerade mal für eine Trinkpause reicht. Wir packen trotzdem die Stühle aus und servieren eine Runde Tütensuppen aus dem morgens abgefüllten Teewasser. Die nächste Stadt kann nicht weit sein, denn irgendwann kommen zwei Reiter und ein Trainer an uns vorbei. Der Trainer mit Motorrad vorweg, die Pferde an der Leine hinterher. Minuten später galoppieren die 2 Jockeys wie wild an uns vorbei, Jugendabteilung der wilden Hordender Trainer fährt nebenher und gibt Tipps. Aber was für ein Höllentempo!

Wir fahren weiter zur nächsten Tankstelle ohne Benzin, aber wir haben ja noch was im Kanister. Oder? Ja, doch.
Ein paar Meilen weiter versucht der UAZ eine Abkürzung zwischen zwei Hügeln, wühlt sich aber im Sand fest. Mit Allradantrieb befreit er sich, und mein Navi und ein vorbeikommender Cowboy sind sich einig: wir sollten links an diesem Berg dort vorbei und dann etwas nach Südwesten abdrehen.

Ich behalte meinen Triumph für mich und folge grinsend den beiden Fahrzeugen, immer in genügend Abstand, um dem Staub auszuweichen. Der Hintergrund hat sich schon wieder verändert, und ich mache ein paar BMW-Fotos.

Vor Sonnenuntergang kommen wir verschwitzt an ein Touristencamp, und es gibt ein Abwägen zwischen Hunger, Durst, duschen-wollen und dem Fernziel: Geierschlucht. Die aber ist immer noch 160 km Luftlinie entfernt und damit außerhalb der Reichweite.
Hier am Restaurant erfahren wir dann auch, dass die angepeilte Tankstelle im nächsten Ort keinen Strom hat. Nur von 6 bis 9 Uhr morgens. Und keine Handpumpen.

Ok, wir duschen (ich nicht, hab ja gestern schon) und essen in der großen Restaurant-Jurte, die diesen Touristencamps so eigen ist. An der Wand hängen Felle von Wölfen und Luchsen, und es gibt leckeres Schaffleisch.
Mir ist nach dem Aufbrechen nicht klar, wie weit wir noch wollen, aber als wir kurz vor Sonnenuntergang den Anstieg auf ein Plateau erklimmen, wird erstmal die Aussicht bewundert. HammeraussichtAn der Kante des Plateaus sieht man die verschiedenen Gesteinsschichten, und weiter unten ein paar Zelte. Ach wär das schön, einfach jetzt Zelte aufbauen, ein Bier und noch 'n bisschen klönen und dann schlafen.

Gedacht, getan, alle sind sich einig, und wir dürfen die Moto-Crossstrecke, die die Auffahrt zum Plateau darstellt, wieder herunterfahren. Klasse!Zelte in Motorsportgelände
Mein Schlafsack ist leider Opfer im Dichterwettstreit geworden. Dichter war der Benzinkanister, ein Glück, dafür. Schlafsack patschnass. Ich wickle mich in ein paar Pullover und das Sonnensegel, und wir probieren es mit draußen übernachten.
Jetzt noch mal Satelliten und Sternschnuppen zählen, und dann geht’s Licht aus. Schön hier!

24 August 2008

Nachmittagsausflug

Moin Hermann!

Zu bestem Wetter krabbeln wir aus der Jurte, ein vielversprechender Tag, an dem wir einige Kilometer abspulen wollen. Daher sind wir auch schon früh, also vor neun Uhr, auf den Beinen und packen die Sachen in den Bus. Durch die großen Türen ist er ganz gut zu beladen, man muss nur manchmal ziemlich reißen, um die Türen aufzukriegen - von Spaltmaßen wollen wir hier nicht reden.UAZ beim Beladen

Eigentlich könnte es losgehen, aber nach dem Frühstück gibt es noch ein Mittagessen mit Vodka - immerhin wird es akzeptiert, wenn wir Fahrer nur kurz den Rüssel in die Schale halten.
Für die Nase gibt es dann aber doch noch etwas: der Mongole an sich trägt eine Schnupftabakflasche bei sich, um nach einem Sandsturm die Nase freizubekommen. Bevor wir auf die Piste können, darf jeder nochmal vom Tabak probieren - immer darauf achten, Geschenke werden mit der rechten Hand angenommen, die linke Hand hält dabei den rechten Ellenbogen. Die Flaschen werden aus großen Mineralsteinen gefertigt, die in der Wüste gefunden werden und sind der ganze Stolz der Männer, oft mehrere tausend Euro wert.Schnupftabakflasche und das Material für die Nächste

Nach dieser Inforunde in der Jurte machen wir uns aber, nach den obligatorischen Gruppenbildern, tatsächlich auf den Weg. Ein Onkel begleitet uns noch zu einer seiner Mineral-Fundstätten und schenkt uns einige schöne Stücke, aber dann sind wir wirklich raus.
Inzwischen ist es aber auch schon früher Spätnachmittag, und wir werden wohl zwischendurch zelten müssen, statt bis zur Geierschlucht im Süden zu kommen. Egal, verpasst haben wir nichts, und als wir vor Sonnenuntergang in einer netten Ecke mit tollen Felsformationen landen, finden wir hier auch die erste windstille Ecke, in der wir die Zelte aufbauen.Wolken, Felsen und Touristen

Wasser zum Trinken und Waschen müssen wir jetzt aus den Kanistern nehmen, und ich wandere mit 1,5 Liter-Wasserflasche in unser angrenzendes Tageslichtbad. Wovon andere nur träumen, hier hat man 360° Panoramablick im Bad, wenn es auch etwas windig ist. Das Wasser reicht für zähneputzen und duschen, und nach einem staubigen Tag fühle ich mich jetzt wieder sauber.

Das kalte Bier hat sich über den Tag unerklärlicher Weise aufgewärmt, aber ein einzigartiger Sternenhimmel tröstet darüber hinweg, und wir zählen bis zum schlafengehen Satelliten und Sternschnuppen.
Ein Hund hat sich hierher verirrt in der ganz richtigen Annahme, dass wir ihm ein paar Müslireste überlassen. Ob er dafür wohl auf uns aufpasst?
Ich schlafe jedenfalls bärig in meinem Zelt.

23 August 2008

Doppelt hält besser

Moin Hermann!

Nachdem wir gestern die ersten Off-Road-Kilometer gefahren sind, ist heute Pause angesagt. Verwandtenbesuche muss man ja nicht übers Knie brechen, und unser nächster wirklicher Termin ist der Rückflug in 3 Wochen.
Nach einem gemütlichen Frühstück kommt einer um die Ecke mit der Nachricht, dass der UAZ-Fahrer den halben Motor auseinandergebaut habe. Bei näherem Hinsehen ist es nur der Vergaser, der jetzt in Einzelteilen im Benzinbad liegt und grundgereinigt wird.UAZ Vergaser Bei 80 Oktan und sandhaltiger Luft sicherlich keine schlechte Idee, wenn nur null Tageskilometer geplant sind. Unsereins würde ohne Bauplan kaum die dutzend Schrauben wieder zuordnen können, aber der freundliche Blick des Fahrers lässt hier keine Zweifel aufkommen.

Währenddessen wird wieder mal mein Motorrad begutachtet, und mit Hilfe unserer Übersetzer finde ich auch heraus, warum die Leute hier immer so am Lenker wackeln: eine Lampe, die nicht mit dem Vorderrad mitlenkt, ist zum Schafe wieder einfangen denkbar ungeeignet, und ich überlege schon, von welchem Zubehörladen es einen Umbausatz gibt.

Zum Mittagessen gibt es eine Suppe mit Schaffleischeinlage, die man in unserer schwäbischen Firmenkantine als Gaisburger Marsch finden kann. Alles gar nicht so anders hier!

Am Nachmittag machen wir uns noch auf den Weg zum Nachbardorf, ca. 20 Kilometer entfernt - Speiseöl ist alle. Mit dem Jeep fahren wir quer durch die Steppe und landen nach einer halben Stunde in Tsagaandelger. Es gibt eine Schule, eine Bank und einen Tante-Emma-Laden, in dem ein Moped, verschiedene Vodka-Marken und Doppelkekse aus dem „Gut und günstig“-Sortiment angeboten werden. Die haben hier ja wirklich alles, und es gibt sogar Storck Riesen Frau Lange! Tss, sage ich.

Aber wir sind ja nicht zum Spaß hier, kaufen schnell das Speiseöl und gehen wieder zum Jeep, der in der Sonne auf uns gewartet hat. Tss, sagt auch der Jeep, und bei näherem Hinhören ist es das linke Hinterrad, das Tss sagt. Tssss. Das sieht nicht gut aus, und nach etwas Recherche finden wir heraus, hinter welcher der wenigen Straßenecken der örtliche Reifenhändler seine Werkstatt hat. Auf dem Weg dahin, vorsichtig fahren, wird aus dem leisen ts ein lautes Pfsch, und zwar in Hifi Dolby Stereo. Stereo? Jo, hinten rechts ist jetzt genauso platt! Was soll das denn? Kann man sein Auto hier nicht 2 Minuten abstellen, während man zwischen Doppelkeks und Storck Riesen abwägt, Frau Lange?Tssssss

Aber bevor wir uns aufregen, schließlich sind wir im Urlaub, sehen wir, dass auf diesem Teil der Straße etliche Nägel herumliegen, man muss sich fast wundern, dass nicht mehr Autos am Straßenrand stehen.

Der Reifenhändler macht noch Siesta, wir teilen uns also auf in die Teams „Reifenhändler wecken“, „Ersatzrad einbauen“ und „Beten, Hoffen, Fotografieren“. Durch diese Aufteilung können wir die Zeit bis zum vollständigen Flicken aller Reifen unter drei Stunden halten. Außerdem erhält einer unser Protagonisten noch schnell einen gratis Praxislehrgang „Reifen aufziehen“.
Vor dem Praktikum gab es eine Schulung zur Arbeitssicherheit

Abends, beim UAZ war inzwischen noch kurz das Ventilspiel eingestellt worden, gibt es wieder leckeres Essen aus dem Wok, und das wohlverdiente Feierabendbier vor der Jurte wird von einem stimmungsvollen Gewitter begleitet. Reiseenduro bei NachtHeute noch ohne Regen, aber ob es morgen trocken bleibt, werden wir sehen.
Morgen geht’s weiter in Richtung Gobi!

22 August 2008

Feinstaubfilter und was sonst noch fehlt

Moin Hermann!

Heute dürfen wir nochmal duschen und nochmal Käsekuchen zum Frühstück essen. Wirklich eine Oase, dieses Guesthouse, aber die wüste Tour kommt ja erst. Mit etwas Verspätung kommen der Jeep und der Bus, den wir samt Fahrer für die nächsten Wochen dabeihaben werden. Es gibt hier zwar auch Mietwagenfirmen, aber keine von denen vermietet Autos ohne Fahrer. Sie werden schon wissen, warum. Dieser hier ist ein UAZ Geländebus, Grauer Kleinbus der Marke UAZetwa so groß wie ein VW Bus, aber mit Allradantrieb und 2 Tanks. Ob das mit der Bodenfreiheit oder dem Verbrauch zu tun hat, ist mir noch nicht so klar.
Wir verstauen unsere Siebensachen im Bus, und ich bin froh, dass ich ohne Motorradkoffer fahren kann. Im Gelände sind die doch nur hinderlich, und am Ende kommt da noch ein Kratzer dran!
Jetzt noch schnell tanken, oder auch nicht so schnell, und ab geht die Fahrt nach Süden aus der Stadt raus. An einer Schranke zahlen wir für das Benutzen der Straße, allerdings sind Motorräder hier umsonst unterwegs. Parallel zur Transmongolischen Eisenbahnstrecke geht es weiter, und die Besiedlung wird dünner. Nach 30 Kilometern biegen wir von der Hauptstraße ab und machen einen Abstecher nach Osten. Meine Weltkarte auf dem Navi zeigt die Straße immer um etliche Meter versetzt an, aber ich muss ja nur dem kleinen grauen Bus folgen. Die Wasserläufe dagegen sind genauer, bis auf einen riesigen See, den ich scheinbar auf dem Navi durchfahre. Im wirklichen Leben gibt es hier zwar eine Senke und eine Schaf-Tränke, aber von Wasser ansonsten keine Spur. Klimawandel?
40 Kilometer weiter taucht am Horizont ein Kopf auf, der allmählich zu einer riesigen Reiterstatue wird. Dschinggis Khan auf seinem Pferd, mit Säbel und Zepter.Chinggis Khaan Beeindruckend, 40 Meter hoch ist die Reiterstatue schon ohne den Sockel. Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird man auf den Pferdekopf steigen können und von einer Aussichtsplattform einen prima Blick haben.

Zurück beim Motorrad merke ich, dass sich meine Vorderradbremse komisch anfühlt. Beim Runterrollen vom Hauptständer habe ich etwas Weiches in der Hand - der Bremshebel ist lose! Verdammt, wie soll das nur werden? Ohne Bremse… ich sehe, dass sich eine Schraube losgeschüttelt hat, sie liegt wahrscheinlich irgendwo hinter uns auf dem Asphalt. Bevor ich überlegen muss, bei welchem Verkleidungsteil ich mir eine ausborgen kann, hat der Fahrer des UAZ schon seine Schraubenkiste geplündert und eine passende herausgesucht. Gut, keine Inbus, aber wer wollte kleinlich sein?

Es geht wieder zurück zur Hauptstraße und dann weiter durch das Gebirge. Eine Radfahrerin steht am Straßenrand. Eine Radfahrerin? Ts… mitten im Nichts. Da ich meine Rückspiegel in Deutschland gelassen habe, sehe ich nicht, dass sie mir hinterherwinkt. Umso überraschter wird sie gewesen sein, dass unser Jeep anhält - mongolische Kennzeichen, scheinbar 3 Einheimische darin, die perfekt deutsch sprechen… Sie fährt mit dem Fahrrad nach Peking, hat aber alles dabei, was sie braucht. Was bin ich doch für ein fauler Urlauber!

Nach 2 Stunden Fahrt in Sichtweite der einspurigen Eisenbahnstrecke sehen wir am Horizont eine riesige schwarze Wolke. Ein Güterzug, der uns entgegenkommt. Wir halten an, und um näher dranzukommen, fahre ich ein Stück über die Steppe bis zum Bahndamm. Zuerst denke ich, ich muss mich beeilen, aber der Zug schleppt sich mit vielleicht 30 km/h dahin, die 2 Loks klingen als liefen sie im Leerlauf. Alles sehr gemütlich. Güterzug aus PekingDem Abgas nach zu urteilen laufen sie auf Volllast, aber die Wolke verteilt sich in der klaren Luft.
Wir dagegen fahren weiter südwörts und biegen nach einer Weile erneut Richtung Bahndamm ab. Diesmal aber gibt es einen Durchlass in Richtung Westen, und das war es nun für eine Weile mit Asphaltstraßen.
Es wird sandig, holperig, aber die Jungs im Jeep scheinen jetzt Heimweh zu haben. Nach Tempo 70 auf den Straßen, wobei mir fast die Gashand eingeschlafen ist, sind es jetzt 80 im Gelände. Ich habe Mühe hinterherzukommen, kriege aber bald raus, dass ich mit dem Motorrad nicht jeden Bogen ausfahren muss. Die Steppe ist voller Abkürzungen, nur nach Steinen und Bodenwellen sollte man etwas Ausschau halten.

Ab und zu verändert sich der Bodenbewuchs, und viele verschiedene Grüntöne mischen sich. Dann wieder eine Senke in tiefem Grün, die massiv nach Kamille duftet. Aber sowas von kamillig! Durch meinen Motocross-Helm bekomme ich von allen Gerüchen die volle Dröhnung, aber anders als in der Hauptstadt bin ich darüber jetzt ganz froh.
Es wird sandiger und staubiger, und je nach Windrichtung suche ich mir immer eine Fahrspur links oder rechts von der Mitte aus, um dem Sand zu entgehen. Der Staubfilter Feinstaubfilterin meinem Helm hat eine Maschenweite von 2 Millimetern…

Die Wege sind mit jedem Abzweig schwieriger zu erkennen, und ich bin froh, dass die Jungs im Jeep sich auskennen. Oder?

Besiedlung sehen wir jetzt kaum noch, das Grün wird spärlicher, und die ersten Kamele laufen in der Steppe herum. Richtige Kamele mit 2 Höckern, keine Dromedare. Keine halben Sachen!

Irgendwann, kurz vor den 19-Uhr Nachrichten, durchqueren wir einen ausgetrockneten Flusslauf und sind angekommen. 3 Jurten stehen hier in der Steppe, und auf einem davorstehenden Ofen wird schon Essen zubereitet. Wie bei Verwandtenbesuchen üblich und gar nicht anders als bei uns gibt es ein großes Hallo, und wir werden freundlich begrüßt. Ich bin froh, dass es bald etwas zu Essen gibt, danach dann noch einen Vodka aus der Silberschale, und dann bin ich auch schon wieder bereit, mich horizontal auf morgen vorzubereiten. Gute Nacht!
PS: was andere Leute so mit ihren Mopeds erleben findet sich hier....

21 August 2008

Dichterwettstreit

Moin Herrmann!

Heute dürfen wir ausschlafen. Unten vor dem Fenster wird gesägt und gehämmert, aber das stört mich kein bisschen. Irgendwann werde ich neugierig und sehe, dass dort Motorräder von anderen Gästen in Holzkisten verpackt und in einen kleinen LKW verladen werden. Die Methode ohne Gabelstapler hat hier auch Vorrang.Motorrad auf Reisen
Wir gehen runter und schauen nach dem Frühstück, aber eigentlich ist schon eher Mittagszeit. Alles ein bisschen durcheinander heute, immerhin behält die Küche den Überblick. Wir bestellen dann zum klassischen Frühstück noch den besten Kaiserschmarren der Stadt, und inzwischen ist unsere Reisegruppe auch fast komplett. Der Tag, eingeplant als Museums- und Sightseeingtag schleppt sich etwas, es wird zeitlos getafelt, und Gelassenheit regiert.
Immerhin haben wir noch eine lange Liste mit fehlendem Campingbedarf: ein Sonnensegel für die Steppe, Benzinkanister, Wasserkanister, einen Kochtopf, ein Wok und einen Sonnenhut. Wäscheleine.
Nahe am Oasis gibt es einen großen Markt, eher ein Basar, bei dem es alles gibt, außerdem Werkzeuge, neu und gebraucht, Schuhe, Sohlen, Stiefel, Markenbekleidung für wenige Euro, Autoschlüsselrohlinge, Buddhastatuen und Leninplastiken.

MARKTKRAM

Wir arbeiten die Liste ab und landen bei den gelben Benzinkanistern - die sollen die beste Dichtung haben. Vorne verkauft einer gelbe Kanister, und hinten spült sie einer mit Wasser aus und macht die Aufkleber ab: feinstes Speiseöl. Mich wundert gar nichts mehr, aber die chinesischen Blechkanister sehen auch nicht viel vertrauenserweckender aus. Dichtung und Wahrheit. Am besten würde wahrscheinlich das Bierfass hier dicht machen: gutes Hövels aus der Dortmunder Hausbrauerei. Pötte un Pannen
Gegen fünf Uhr sind wir mit allem ausgestattet, und wir verstauen die Sachen im Jeep.
Bis wir dann tatsächlich in der Stadt sind, haben die Museen wie befürchtet schon geschlossen, diesen Part verschieben wir also um drei Wochen. Immerhin bekommen wir dann doch noch ein deutsches Pils, im Khanbräu beobachten wir vom Biergarten aus den Straßenverkehr (es reichen hier 2 Autos, um einen Stau zu erzeugen), und es gibt mongolische Spezialitäten. Zum Essen schreibe ich noch mehr, aber jetzt ist der Tag schon wieder zu Ende, und ich muss morgen fit sein fürs Fahren.

20 August 2008

Gut Holz?

Moin Hermann!

Der Tag beginnt, und ich habe 20 Minuten geschlafen, aber immerhin ein gutes Frühstück im Flugzeug gehabt. Von Verwandten werden wir abgeholt und erstmal in der Stadt zwischengelagert. Lange ausruhen geht nicht, schließlich macht um 9 die Zollbehörde auf. Ist der Container wirklich da? Meine Holzkiste drin? Fahren oder nicht fahren - das ist hier die FrageMotorrad unversehrt? Vor die Beantwortung dieser Fragen haben die Götter die Bürokratie gestelltStempeln gehen, und wir starten im Hauptzollamt. Ohne meine beiden mongolischen Begleiter würde ich hier nichts ausrichten, es ist eher so, dass ich der Begleiter bin. Danke Euch!
Ab und zu wechseln wir zwischen verschiedenen Büros hin und her: Schalterhalle, Geldwechselstube, Einzahlstelle, Sachbearbeiterbüro. Danach fahren wir noch geschwind zum Büro der Eisenbahn, dort wieder ähnliche Reihenfolge, zum Schluss zurück. Mittag. Immerhin haben wir die Papiere zusammen und können zum Containerbahnhof wechseln.

Dort ist Mittagspause, wer wollte es ihnen nicht gönnen? Ein großer Portalkran lädt Container um, die ein fleißiger Mitarbeiter in die richtige Lücke schiebt. Zeit dass sich was dreht!Kawumm! Absetzen, der Mann klettert auf die Stahlkiste und löst die 4 Haken, um sie nach einem Zwischenspurt und einer neuen Klettertour bei einem anderen Container wieder einzuhaken. Ich frage mich nicht, ob sie mit „meinem“ Container auch so vorsichtig umgingen sondern denke positiv. Immerhin trägt der Mann einen Helm!
Nach der Mittagspause bekommen wir weitere Papiere und einen Menschen, der uns zum richtigen Container führt. Immerhin steht er ebenerdig!
Davor einige Träger, die Kartons herausschleppen, die ein anderer ihnen auf eine Theke stellt.
Moment mal, was für eine Theke? Ich erkenne meine derart umgenutzte Transportkiste wieder. Juhuu! Unversehrt, ungeöffnet! Sogar das "Fragile"-Schildchen klebt noch dran!
Wir schaffen uns Platz und während ich nach einem Gabelstapler Ausschau halte, wird der Kälberstall schon auf die mongolische Art vor den Container gestellt. Viele Hände schaffen ein schnelles Ende, sagte schon meine Mutter. Hier gilt das noch!
Also, Werkzeug raus und Schrauben schrauben. Ruckfix ist der Deckel ab, und in der Kiste sieht es aus wie beim Zuschrauben. Nicht mal ein Schlafsack ist verrutscht!
Erleichterung.
Vor dem Container ist eine Arbeitsfläche von 4 mal ein Meter, dort schrauben wir das Vorderrad wieder dran und machen die BMW fahrfertig.
Da ist sie!
Das langwierigste war noch das Einfädeln der Bremsscheibe. Ausreichend Platz für die MontageBatterie dran, 5 Liter Benzin rein, und klick. Springt nicht an. Ok, Vergaser muss erst befüllt werden…. springt nicht an. Was geht?
Ach, typischer Anfängerfehler: Sprithahn war ja zu! Ein Dreh, ein Klick, und sie läuft! Navigationsgerät draufgeschraubt, und wir können losfahren. Inzwischen ist es später Nachmittag,
und ich folge der roten Limousine wieder in die City. Augen auf im Stadtverkehr! Ampeln haben hier eine andere Bedeutung als zu Hause. Fahren auf einer Asphaltstraße heißt nicht, dass hinter der Kurve auch Asphalt ist. Oder offene Gullydeckel, in die nach erstem Augenschein ganze Motorräder versenkt werden können. Augen auf!
Bei den Verwandten wird die Maschine erstmal in der Garage zwischengelagert, denn jetzt gibt es erst noch den kleinen Stadtbummel. Schon spannend, was Ulan Bator alles bietet, die kälteste Hauptstadt der Welt im Juli. Sukhbaatar Platz mit ParlamentsgebäudeIrgendwie bin ich aber trotzdem müde, und als wir in unserm Guesthouse (Oasis) ankommen, kriege ich die Betriebsanweisungen kaum mit. Wann duschen? Wieviele Klos? Will schlafen. Nach dem Duschen ist dann aber doch noch ein Feierabendbier drin, und mit der richtigen Bettschwere falle ich in die Koje. Morgen mehr!

19 August 2008

Bandstillstand

Moin Hermann!

Uff, früh aufstehen ist ja mal das Eine, aber vor sechs Uhr ist für mich immer ein Killer. In weiser Voraussicht hatte ich ja geplant, früh schlafen zu gehen, aber eins wurde es dann doch. Vier Stunden Schlaf, na gut, andere können das auch.
Immerhin spare ich Zeit, da eine Freundin uns zum Flughafen bringt. Danke!
Zuerst der Flug von Stuttgart nach Berlin Tegel, und dann wieder warten - wir haben mehr als sechs Stunden Aufenthalt in unserer Hauptstadt, aber da wir das Gepäck nicht durch-gecheckt haben, sitzen wir auf den Koffern. Ein Glück, dass Zelte und Isomatten mit dem Motorrad zusammen schon in der Mongolei sind.
Als wir realisieren, dass man sich ja vielleicht schon anstellen könnte, ist die Schlange vor den geschlossenen Schaltern schon ellenlang. Die Schlange wird länger. Dann wieder kürzer. Nerv. Warten. Immerhin kommt das Flugzeug auf dem Weg aus der Mongolei pünktlich an, schon mal keine Verspätung deswegen.
Irgendwann wird die Schlange wieder kürzer, aber: hinter uns. Das Gepäckband ist kaputt (Bandstillstand!) und sie haben einen weiteren Schalter geöffnet, was zuerst die hinten stehenden bemerkt haben. Ach egal, wer wollte sich aufregen, irgendwann sitzen wir dann mit sieben Leuten in einer Reihe im Airbus mit dem schönen Namen Chinggis Khaan. Auf herunterklappenden Röhrenfernsehern Sind wir bald da? Isses noch weit?können wir den Flug verfolgen und alte Filme schauen. Der Flug dauert ewig, ich wünsche mir ein paar Zentimeter kürzere Oberschenkel, aber das würde ich sicher später bereuen.
Wir sind abends um halb zwölf da - jetzt wird die Uhr umgestellt, und es ist plötzlich 05:30 am Morgen, und der Tag kann beginnen.
Dem Morgen graut
„Heute“ werden wir als Erstes mal das Motorrad aus dem Stall holen…

18 August 2008

Kribbeln

Moin Hermann!

Morgen geht’s los. Es kribbelt, und das ist ok so. Einiges muss ich noch klarziehen, Ersatzbirnen kaufen, vielleicht noch mal die Reieapotheke durchgehen. Ich gehe nochmal die Reiseapotheke durch und checke den S-Bahn-Fahrplan. Oder doch einem Freund zumuten, mitten in der Nacht aufzustehen und mich hinzufahren? Was, wenn er das Gleiche von mir erwartet… Schlaf ist
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09 August 2008

Fahrstuhl

Moin Hermann! -----------------noch 10 Tage!

Für heute habe ich mir eine Probefahrt gebucht. Mein Motorrad ist jetzt 12 Jahre alt, und in der Mongolei wird sie mir erst so richtig ans Herz wachsen. Aber dafür brauche ich noch mal einen Vergleich. Außerdem
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08 August 2008

Hotline

Moin Hermann!

Nachdem mich die Telefonate vorgestern nicht weitergebracht haben, heute ein neuer Versuch. Ich rufe noch einmal die Nummer vom ADAC an und lande wieder beim Reisebüro. Auf meine Frage, ob das nicht die richtige Durchwahl ist, erfahre ich vor Allem eines: das Reisebüro
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07 August 2008

Aus dem Vollen

Moin Hermann!

Heute habe ich Zeit, nach der Arbeit noch mal zum Motorradzubehörfachgeschäft drüben an der Flughafenstraße zu fahren. Inzwischen kennt mein Navi die Strecke schon im Schlaf, und ohne den
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06 August 2008

Gründlich

Moin Hermann!

Abends schaue ich auf meine offene-Punkte-Liste und erschrecke. Das Thema Versicherungen habe ich vielleicht etwas vernachlässigt, und ich fange an zu telefonieren.

Die Krankenversicherung bietet für eine Handvoll Dollars zusätzlich einen Schutz auf allen bis zu achtwöchigen Auslandsreisen an. Prima, lässt sich telefonisch abschließen, und nach einer
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05 August 2008

An die Nieren

Moin Hermann!

Als ich noch einmal die Checkliste von einem der offiziellen Mongolei-Reisen-Anbieter durchgehe, fällt mir die Sache mit den Nieren auf. Es heißt, man soll nur T-Shirts und Pullover mitnehmen, die am Rücken lang genug sind. Da man oft am Feuer oder auf einem Hocker sitzt, mit krummem Rücken, neigen zu kurze Pullover dazu, die Nieren freizugeben.

Mir fällt wieder ein, dass mein Nierengurt seine besten Tage hinter sich hat. Der Klettverschluss ist schon ziemlich zerfusselt,
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